Monat: Oktober 2018

Leipzig, 31. Oktober 2018 (geno). Die mittelalterliche Welt war eine Welt voller genossenschaftlicher Zusammenschlüsse. Sie boten bei schwach ausgebildeten staatlichen Strukturen auf der vertikalen Ebene Hilfe an. Bruderschaften gehörten dazu, sagt der Kirchenhistoriker und Genossenschaftswissenschaftler Prof. Michael Klein. Nach Meinung seines Kollegen des Kirchenhistorikers Bernd Moeller verstand sich sogar die städtische Gemeinde als Genossenschaft – ein “corpus christianum” im Kleinen. Dieser Begriff von der Gemeinde als theologische und politische Einheit spielte für das frühneuzeitliche Selbstverständnis der protestantischen Kirchen nach der Reformation eine entscheidende Rolle. Der wirtschaftliche Strukturwandel ausgangs des 15. Jahrhunderts,  als Martin Luther geboren wurde, barg enorme Spannungen. Er führte einerseits im Osten zu einer zweiten Leibeigenschaft und andererseits im Westen zu mehr Abgabendruck von Seiten des Adels. Vor allem wohlhabende Bauern protestierten. Sie forderten die Wiederherstellung ihres guten alten Rechts, also die Rückkehr zu mittelalterlichen Rechtsnormen, die mit bestimmten Anteilen an der Allmende wie Waldnutzung, Jagdrechte und Viehweiderechte verbunden waren. Dabei beriefen sie sich auf das “biblische Recht” des Alten und des Neuen Testaments. Damit stimmten sie mit Luthers Theologie überein. Dessen Forderung nach Rückkehr zu den ursprünglichen Ordnungsformen des Urchristentums, beflügelte. Insofern wurde Luthers zentrale Schrift “Von der Freiheit eines Christenmenschen” zum Manifest substantieller Neuorientierung. Darin sind die Begriffe Freiheit, Selbstbestimmung und Verantwortung elementare Säulen. Es sind auch Kriterien genossenschaftlicher Grundprinzipien. Reformation und Genossenschaft sind Wesensverwandte. ++ (rf/mgn/31.10.18 – 213)

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