Jena mit “Initiative für eine demokratische Genossenschaft”

+++update 26.Juni 2019. Die für heute geplante Mitgliederversammlung
wurde kurzfristig von der Jenaer Baugenossenschaft eG abgesagt ++++

Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass die Räumlichkeiten im Paradiescafe Jena nicht ausreichen. +++++

Jena, 19. Juni 2019 (geno). In Thüringens größter Industriestadt Jena regt sich neben anderen Metropolen wie Berlin und Hamburg eine weitere basisdemokratische Genossenschafts-Initiative deutscher Großstädte. Rührige Mitglieder der Jenaer Baugenossenschaft eG sammelten Unterschriften, um auf einer Mitgliederversammlung eigene Tagesordnungspunkte einzubringen. Außerdem wollen zwei Mitglieder dieser “Initiative für eine demokratische Genossenschaft” für die Wahl des Aufsichtsrates kandidieren. Um das zu ermöglichen, hatten die Genossenschaftsaktivisten 190 Unterschriften zusammen bekommen. Damit haben sich wesentlich mehr als die mindestens notwendigen zehn Prozent der 1.300 Mitglieder zählenden Genossenschaft für die Vorschläge der Initiative ausgesprochen.

Wie die “Ostthüringer Zeitung” (OTZ) am Dienstag berichtet, wird die Zusammenkunft am 26. Juni um 17 Uhr im Paradiescafe stattfinden. Bei den Themen, die zusätzlich auf die Tagesordnung gesetzt werden sollen, gehören die Reduzierung des Leerstandes, die Stabilität der Nutzungsentgelte und eine intensivere Kommunikation. Den entscheidenden Impuls für die Aktivitäten der Genossenschaftsmitglieder hatte die Ankündigung erhöhter Nutzungsentgelte im Frühjahr dieses Jahres ausgelöst. Dazu hatte einer der Initiatoren, Alexander Lorenz, gegenüber der OTZ geäußert: “Angesichts hoher Rücklagen und möglicher Mehreinnahmen durch Bezug des Leerstandes sind höhere Mieten in der Jenaer Baugenossenschaft keine Option.” Der wesentliche Zweck der Genossenschaft sei es schließlich, die Mitglieder sozial verantwortlich mit Wohnraum zu versorgen.

Bereits im Vorfeld hatte eine Informationsveranstaltung stattgefunden, an der 70 Baugenossen teilgenommen hatten. Auch Vertreter des Jenaer Mietervereins, der Wohnungsgenossenschaft Carl Zeiss und Mitglieder der Initiative “Recht auf Stadt” waren anwesend.

Die Baugenossenschaft Jena eG blickt auf eine traditionsreiche Historie zurück. Zu ihren Förderern und Mitgliedern gehörten beispielsweise der Chemiker und Glastechniker Otto Schott, der Verleger Gustav Fischer sowie der prominente Industrieunternehmer, Wissenschaftler und Sozialreformer Ernst Abbe. Ihre Namen zieren das erste Mitgliedsbuch der am 25. Juni 1897 aus der Carl Zeiss Stiftung heraus gegründeten Jenaer Baugenossenschaft. ++ (bg/mgn/19.06.19 – 114)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

igenos e.V. Kommentar. Das Selbstbewusstsein unter den Genossen nimmt zu. Die Berliner Initiative Genossenschaft von unten machten den Anfang
und mischten bei der Gesetzgebung mit. Inzwischen rumort es bundesweit unter den Genossen. Große und kleine Initiativen stellen die bestehenden Strukturen in Frage und bringen eigene Vorschläge ein. Die Aktionen stoßen bei den Genossenschaftsorganen und den Verbänden nicht immer auf Begeisterung.

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  • […] Berlin, 19. Juni 2020 (geno). Die Initiative “Genossenschaft von unten” wird in der jüngsten Ausgabe des Berliner Magazins “MieterEcho” vorgestellt. Die Initiative war im Februar 2008 mit Unterstützung der Berliner Mietergemeinschaft gegründet worden. Ihr Entstehen ist auf die zunehmende Unzufriedenheit in der Mitgliedschaft der meisten Wohnungsgenossenschaften zurückzuführen. Im Vordergrund steht beispielsweise der enorme Mangel an Transparenz und demokratischer Mitsprache der Genossenschaftsmitglieder innerhalb der Wohnungskoopertiven. Es ist nicht nur der Eindruck entstanden, dass Führungsgremien wie Vorstand und Aufsichtsrat die Rechtsform “eingetragene Genossenschaft” missbrauchen und das eigentlich als ein von den Mitgliedern selbstverwaltetes Gebilde schnöde wie ein rein kapitalistisches Unternehmen leiten. Die Indizien dafür häufen sich unübersehbar. Inzwischen gibt es andernorts in Deutschland ähnliche Bewegungen wie in Berlin. Dazu gehören die Metropolen Hamburg, Essen, Dresden, Stuttgart und Jena. […]

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