Vater des „Prager Frühlings“ war Genossenschaftszögling

Bratislava/Bischkek, 29. November 2021 (geno). Die ehemalige Sowjetrepublik Kirgistan in Zentralasien stand am Wochenende in zweierlei Hinsicht im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Einerseits wählten die Kirgisen ein neues Parlament. Andererseits jährte sich der Geburtstag eines prominenten europäischen Politikers, der in der kirgisischen Hauptstadt Frunse bzw. Bischkek aufgewachsen ist, zum hundertsten Mal. Es handelt sich um den Slowaken Alexander Dubcek, der nach seiner Geburt mit den Eltern in das zentralasiatische Land umsiedelte und dort mit ihnen als Genossenschaftszögling ein äußerst kooperatives Leben führte. Sie waren dem tschechoslowakischen Genossenschaftspionier Rudolf Marecek gefolgt, der die Kooperative „Interhelpo“ in der slowakischen Stadt Zilina 1923 gegründet hatte. Sie war international und bestand neben Slowaken und Tschechen aus Ungarn, Deutschen und Ruthenen. Hauptmotiv ihrer kollektiven Auswanderung nach Kirgisien war der von Wladimir I. Lenin 1922 weltweit verbreitete Impuls, beim Aufbau der Sowjetunion zu helfen. Sie empfanden die Losung „Proletarier aller Länder vereinigt Euch“ nicht als hohle Phrase, sondern als Impuls zu entschlossenem Handeln.

Die Zeitung „Oktoberlicht“ hatte von ganz neuen Möglichkeiten geschrieben: An einem Ort, frei von jeglichen kapitalistischen Übeln und Hindernissen für gemeinschaftliche Arbeit, könnte schnell eine neue gerechte und schöne Welt gebaut werden. !924 unterzeichneten die Tschechoslowakei und die sowjetische Regierung eine Vereinbarung, dass die Genossenschaft „Interhelpo“ in Kirgistan moderne Produktionstechnologien einführen sollte. Dorthin wanderten im März 1925 die ersten 303 Arbeiter aus Zilina aus, viele mit ihren Familien. Es folgten zahlreiche weitere. Unter ihnen waren auch die Eltern des jungen Alexander Dubcek, der in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in seiner tschechoslowakischen Heimatland Chef der Kommunistischen Partei wurde und zum Vater des „Prager Frühlings“ avancierte.

Die Genossenschaft Interhelpo war außerordentlich erfolgreich. Sie errichtete 1925 das erste Elektrizitätswerk Kirgistans, 1927 eine Textilfabrik und 1928 eine Schmelzhütte. Zudem entstanden eine Möbelfabrik sowie zahlreiche neue Bauensembles und Siedlungen. Bereits im Jahr 1925 wurde Interhelpo zur besten Genossenschaft der Sowjetunion erklärt. 1934 wurden 20 Prozent der kirgisischen Industrieprodukte von dieser Kooperative hergestellt. ++ (ks/mgn/29.11.21 – 145)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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