Sozialgenossenschaften 2.0. von Südtirol lernen

Bozen. 6.4. 2018.  Die Rolle der Sozialgenossenschaften muss neu durchdacht werden. Was Sozialgenossenschaften in Zukunft noch leisten und inwiefern sie eine Antwort auf demographische Veränderungen und gewandelte soziale Bedürfnisse geben können, darüber wurde am 4.4.2018 in Bozen auf der Konferenz „Sozialgenossenschaften 2.0“ diskutiert. Das Treffen in der Handelskammer Bozen, wurde vom Genossenschaftsverband Legacoopbund organisiert.

In Südtirol leisten Genossenschaften einen bedeutenden gesellschaftlichen und unternehmerischen Beitrag und bergen großes Innovationspotential zu eine zentrale Aussage der Fachtagung.

Der Vorsitzende von Legacoopbund Heini Grandi unterstrich, dass Sozialgenossenschaften eine Entwicklung anstreben, welche von der Förderpolitik hin zur Auftragspolitik führt, ohne jedoch die bestehenden Sicherungssysteme zu verlieren. Großes Augenmerk soll dabei auf die Qualität gelegt werden. „Es ist nicht immer leicht die wirtschaftlichen Zielsetzungen mit dem sozialen Auftrag zu vereinen, vor allem nicht bei öffentlichen Ausschreibungen.

Sozialgenossenschaften sind heute unverzichtbare Leistungsträger im Sozial- und Gesundheitsbereich und von der Arbeitseingliederung benachteiligter Personen nicht mehr wegzudenken. In Südtirol zählt man derzeit um die 220 Sozialgenossenschaften, die insgesamt mehr als 2.500 Personen beschäftigen; davon zirka 500 benachteiligte Personen, also Menschen, die im Rahmen eines Arbeitsintegrationsprojektes in den Sozialgenossenschaften beschäftigt sind.  Der Druck auf die Sozialgenossenschaften steigt, die Bürokratie nimmt zu, der Konkurrenzdruck bei öffentlichen Ausschreibungen wird immer größer und öffentliche Beiträge nehmen generell ab.

Ein weiteres Thema, das im Rahmen der Konferenz behandelt wurde, ist die mögliche Erweiterung der benachteiligten Personengruppen. Es stellt sich die Frage, ob Sozialgenossenschaften auch Arbeitsintegrationsprojekte mit neuen sozial benachteiligten Gruppen, wie zum Beispiel Obdachlosen, Personen mit Migrationshintergrund, Langzeitarbeitslosen, arbeitslosen Jugendlichen usw. durchführen sollen. „Es handelt sich hierbei oftmals um benachteiligte Personen auf Zeit. Den Sozialgenossenschaften sollte darum die Möglichkeit eingeräumt werden, diese Personengruppen auf Zeit zu begleiten und entsprechende gesonderte Förderungen zu erhalten, ohne die Kategorien der benachteiligten Personengruppen laut Gesetz 381/91 neu zu regeln“, dies die Meinung der gestrigen  Diskussionsteilnehmer.

„Die Arbeitstätigkeit in den Sozialgenossenschaften ist eine Bereicherung für alle, nicht nur für die benachteiligten Personen“, so Francesca Peruz, Vorsitzende der Sozialgenossenschaft Clab: „Es entstehen neue soziale Kontakte und die Personen erfahren Unterstützung in unterschiedlichen Lebensbereichen“.

Mit vergleichbaren Themen aus unseren europäischen Nachbarländern will Genonachrichten den bereits von der Genossenschaftswelt begonnenen Dialog mit Politik und Parteien fortsetzen.

Hinweise in eigener Sache: Genonachrichten berichtete in der Vergangenheit bereits über  Sozialgenossenschaften und Flüchtlingsgenossenschaften. Ein Konzept das vom DEGP (Deutsch Europäischer Genossenschaftlicher Prüfungsverband) entwickelt und  CoopGo Initiative aufgegriffen wurde.   Die Umsetzung  nimmt jetzt konkrete Formen an. Für die Projektplanung und Realisierung wurde bereits im Dezember 2017 die  H3-O  think tank eG gegründet.  Ab Montag den 9.03.2018 um 12.00h   beginnt die  Umsetzungsphase des Projekts.

Deutschlands Sozialgenossenschaften im Hintertreffen

 

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