Genossenschaftsbanken mit ungetilgtem Nazi-Makel

Darmstadt/Frankfurt am Main, 9. März 2020 (geno). Deutschlands größte Privatbanken – Deutsche Bank und Commerzbank – feiern im Jahr 2020 ihr 150jähriges Bestehen. In diesem Zusammenhang weist der Deutschlandfunk am Montagabend aber auch auf die bedeutsame Rolle der Genossenschaftsbanken in der deutschen Finanzwirtschaft hin. Sie machten die deutsche Bankenlandschaft zu einem Sonderfall, der jetzt in das Konzert der europäischen Banken Misstöne hineinbringen könnte. Es geht um die europäische EDIS Sicherungseinrichtung.

Zu den Hintergründen wird Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensführung an der Technischen Universität Darmstadt, befragt. Dessen Auffassung zufolge sind in vielen deutschen Regionen Anfang des 19. Jahrhunderts keine Bankdienstleistungen angeboten worden. Selbsthilfe sei deshalb Gebot der Stunde und Grundidee der Genossenschaften gewesen. “Dann sind aus dem Zusammenschluss von Handwerkern, von Landwirten, erste Kreditgenossenschaften entstanden, die tatsächlich dafür gesorgt haben, dass man im Kollektiv kreditwürdiger war als der einzelne und dadurch in der Lage war, Investitionen zu tätigen, die Modernisierung der Landwirtschaft und damit auch die Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft umzusetzen”, so der Wirtschaftswissenschaftler.

Die spätere Entwicklungsphase des deutschen Sonderfalls in der Finanzwirtschaft während des Dritten Reichs markierte Werner Plumpe von der Universität Frankfurt am Main: “Doch die Nationalsozialisten instrumentalisierten die Großbanken – und nicht nur sie. Auch Sparkassen und Genossenschaftsbanken können sich nicht von der Verantwortung freisprechen. Spareinlagen wurden verdeckt als wichtige Basis der Kriegsfinanzierung genutzt. Die Verbünde wurden gleichgeschaltet, die Nationalsozialisten erklärten die eigentlich urdemokratische Grundlage der Genossenschaften ‘Was einer nicht alleine schafft, das schaffen viele’ zu einer ‘urdeutschen’ Idee”. In dieser Epoche entstand auch die Fehleinschätzung Genossenschaften seien am Gemeinwohl orientierte Unternehmen.

Auch heute prägt das genossenschaftliche Führerprinzip unsere Genossenschaftsorganisation.
Um diesen Makel abzustreifen und durch wirksame Aktivitäten aufzuklären oder gar zu widerlegen, ist bis in die Gegenwart nichts bekannt geworden. Er bleibt insofern bislang ungetilgt. Die Deutsche Bank hatte Ihre Unternehmensgeschichte über die Zeit des Nationalsozialismus bereits wissenschaftlich aufarbeiten lassen. ++ (fi/mgn/09.03.20 – 040)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion. Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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