Genossenschaftsbanken – aus Brüssel droht Gefahr

Worms/Bozen, 16. Juli 2020 (geno). Volks- und Raiffeisenbanken sowie andere genossenschaftlich organisierte Banken sind Stabilitätsfaktoren und ebnen Wege zur Mittelstandsförderung. Das stellte Max Otte, Professor für Allgemeine und Internationale Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Worms, fest. Die genossenschaftliche Organisationsform gebe den einzelnen Instituten die Chance, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Volks- und Raiffeisenbanken nähmen im Wesentlichen Kundeneinlagen entgegen und vergäben Kredite an private und gewerbliche Kunden, die oft durch Grundpfandrechte besichert sind. Dieses Geschäftsmodell sei denkbar klar und einfach. Vor dem Ersten Weltkrieg habe es in Deutschland rund 17.000 Kreditgenossenschaften gegeben, fast in jedem Dorf eine. “Diese auf Solidarität und bürgerlicher Selbstorganisation beruhende Finanzierungsstruktur für Handwerk, Landwirtschaft und industriellen Mittelstand durch Kreditgenossenschaften war eine der großen Stärken des deutschen Finanzsystems und ist es bis heute”, so Otte.

Sein Urteil fußt auf seinerseits vorgenommenen Analysen im Zusammenhang mit der Finanzkrise 2008/2009. “Bei den von mir stichprobenartig untersuchten Instituten – der Volksbank Breisgau Nord, der Volks- und Raiffeisenbank Uffenheim-Neustadt, der Volksbank Paderborn-Höxter-Detmold und der Sparda-Bank Baden Württemberg e.G. – halten sich die negativen Auswirkungen der Finanzkrise 2008/2009 im Rahmen. Die entsprechenden Institute betreiben ihr Geschäft weitgehend unverändert und üben einen stabilisierenden Einfluss auf die Wirtschaft aus”, schätzt Otte ein.

Der Finanzwissenschaftler und -praktiker Otte dehnt seine gewonnenen Erkenntnisse über das kooperative Bankwesen auf die globalen Geldbeziehungen aus und kommt auf einer Veranstaltung des Raiffeisen-InvestmentClub Bozen zu dem Schluss: “Wäre das Finanzsystem der Welt vor allem genossenschaftlich organisiert, gäbe es keine Finanzkrisen und der Mittelstand hätte auch genug Kredit.” Es müsse achtgegeben werden, dass der Genossenschaftssektor nicht über Lobbyismus in Brüssel zerstört wird. Die Genossenschaftsbanken seien den Investmentbanken nämlich ein Dorn im Auge. ++ (hi/mgn/16.07.20 – 107)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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