Deutsche Genossenschaften im Raiffeisenjahr 2018. Tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Frankfurt am Main, 11. Januar 2018 (geno). “Der Förderzweck ist Dreh- und Angelpunkt genossenschaftlicher Ausrichtung. Normalerweise ist der Förderzweck in der Satzung einer eG relativ breiter und häufig auch abstrakter formuliert als es die realen Leistungsbeziehungen zwischen Mitglied und eG vermuten lassen würden. Betrachtet man reale eingetragene Genossenschaften stellt man häufig fest, dass gesatzter Förderzweck und gelebte Wirtschaftsweise nur entfernt miteinander zu tun haben, ja dass Mitglieder insbesondere großer und älterer Genossenschaften auf den Förderzweck ihrer Genossenschaft hin befragt, weder den gesatzten noch den allen gemeinsamen Förderzweck leicht benennen können, sondern allenfalls beantworten können, was sie erwarten und bekommen.” Diesen bedauerlichen, sogar niederschmetternden Befund über die tiefe Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit in deutschen Genossenschaften trifft Prof. Nicole Göler von Ravensburg in einem Abschlussbericht über die Tätigkeit von Schülergenossenschaften in Niedersachsen.

Der Report der Sozialökonomin von der Fachhochschule Frankfurt am Main ist zwar schon fünf Jahre alt, dennoch aktueller denn je. Eindeutige Indizien bestätigen den unveränderten und alarmierenden Zustand. Beispielsweise wurden und werden kritisch nachfragende Mitglieder von Berliner Wohnungsgenossenschaften mit unsäglichen Methoden gemobbt und sogar von Hauptversammlungen per privatem Sicherheitsdienst ausgeschlossen. Einzelfälle in Jena belegen, dass “Aufmüpfige” ihrer Genossenschaftswohnung verlustig gegangen sind. Die Tristesse der Situation im Zusammenhang mit einer dreijährigen wissenschaftlichen Studie festzustellen, könnte aber anderseits die Chance bieten, dieses generelle Problem bei der Wurzel zu packen. Schließlich sind diese Erkenntnisse dadurch zustandegekommen, nachdem junge unbefangene und lernhungrige Menschen mit seit vielen Jahren real existierenden und wirtschaftenden Genossenschaften und deren Prüfverbänden in einen ernsthaften Dialog getreten sind. Die tiefe Kluft zwischen Genossenschaftsidee und Genossenschaftswirklichkeit muss eindringliche Signale auslösen, um der durch und durch demokratischen Wirtschaftsweise einer echten Kooperative in breitem Maße zum Durchbruch zu verhelfen. Um gerade junge Leute von den genossenschaftlichen Grundwerten Selbstverantwortung, Selbsthilfe und Selbstverwaltung zu überzeugen und zu begeistern, sind gravierende Eingriffe in vielfach herrschenden Schlendrian und dogmatische Alltagsriten von nöten. ++ (pa/mgn/11.01.18 – 009)

+++update++++ Die neue coopgo Initiative zeigt das der Raiffeisen 2018 nicht von gestern ist  +++ auch die Genossenschaftsmitglieder machen mit der bundesweiten Initiative igenos.e.V. mobil. Inzwischen gibt es 3 kritische Schriftenreihen zum Thema Genossenschaftswesen.

www.genossenschaftswelt.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mg), tel. 0176 / 26 00 60 27

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