Genesis der Bürgergenossenschaft Weingarten – Generationen übergreifender Zusammenhalt in der Kommune

Bürgergenossenschaft Weingarten, 9. März 2018 (geno). Über das Entstehen und Wirken der Bürgergenossenschaft Weingarten nördlich von Karlsruhe berichtet Heinz Schammert in der aktuellen Ausgabe der Schweizer Wochenzeitung “Zeit-Fragen”. Der im Ruhestand befindliche Diplombetriebswirt ist selbst Hauptinitiator der Selbsthilfeeinrichtung und ihr erster Vorsitzender. Hauptanliegen war, die zahlreichen und äußerst mannigfaltigen Probleme einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung gemeinsam zu bewältigen. Situationen wie Einsamkeit, Krankheit oder gar Demenz einerseits zu überwinden und andererseits geistig und körperlich noch rüstige Rentner mit ihren Lebens- und Arbeitserfahrungen zu mobilisieren, ist der eigentliche Sinn der gemeinsamen Aktivitäten. “All diese Menschen in einer Bürgergenossenschaft zusammenzubringen, damit sie sich je nach Bedürfnis und Lebenssituation gegenseitig unterstützen können, war die Idee”, schreibt Schammert. Die Anregung sei von zwei Seniorengenossenschaften in Baden-Württemberg gekommen. So sei es zu einem Treffen des örtlichen Altenpflegeheims und der Sozialstation, von Gemeinderäten und Bürgermeister, Vertretern von Kirchgemeinden und interessierter Bürger gekommen. Dabei wurden immer neue Problemlagen publik und passende Lösungsvorschläge unterbreitet. Schammert beschreibt ein Beispiel: “Es ist mittlerweile ein großes Problem unserer Gemeinde, dass viele Weinberge brachliegen, weil die Eigentümer sie aus Altersgründen nicht mehr bewirtschaften können und die Jungen nicht wissen, wie es geht. Aber wenn sich junge Leute finden, die für sie diese Arbeit machen und die Alten zeigen es ihnen, dann wäre das ein großer Beitrag zum Erhalt unserer weindörflichen Struktur”.

Von der Idee bis zur Gründungsversammlung vergingen zwei Jahre. Beim offiziellen Auftakt im Juli 2013 hatten sich 54 Mitglieder eingefunden. Inzwischen ist die Selbsthilfeorganisation auf 172 Mitglieder angewachsen. Damit das gesellschaftliche Engagement nicht nur ideelle Anerkennung findet, wird jede geleistete Stunde in der Bürgergenossenschaft Weingarten auf einem Zeitguthaben gutgeschrieben. Dadurch entstehen dem Inhaber keine Verluste. Diese Zeitguthaben können anderen Mitgliedern gespendet oder innerhalb der Familie vererbt werden. Gibt es kein Testament, so geht dieses Zeitguthaben an die Bürgergenossenschaft. Voraussetzung der Genossenschaftsmitgliedschaft ist es, Bürger von Weingarten zu sein. Wer beispielsweise wegzieht, kann sich sein Zeitguthaben in Geld umwandeln und auszahlen lassen. Der Wert beträgt 8,40 Euro pro Stunde. Davon würden allerdings nur 6,80 Euro ausbezahlt. Die Differenz verbleibt bei der Bürgergenossenschaft als Ausgleich für ihre Aufwendungen. ++ (bg/mgn/09.03.18 – 050)

www.genonachrichten.de, www.genossenschaftswelt.de, www.coopgo.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel.0176 / 26 00 60 27

Ähnliche Beitrag: Genossenschaft ist nicht nur Rechtsform, sondern Geisteshaltung. 15.Februar 2017

Der nachstehende Kommentar (1) befasst sich mit der Gründung einer Bürgergenossenschaft. Der Autor surft auf der großen Fusionswelle der Genobanken und empfiehlt  die Umwandlung von Bankgenossenschaften in Dorfgenossenschaften. Anstatt das Vermögen der Genossenschaftsbank  an die nächst größere Bankgenossenschaft zu verschenken – solle das Geld doch im Dorfe bleiben.
Der darauf aufbauende Kommentar (2) Befasst sich mit den  Hintergründen und ist ebenfalls lesenswert.  Liebe Blogger die Beiträge sind beide viel zu lang. Wir haben auf Kürzungen verzichtet möchten aber darauf hinweisen, dass sich das Lese- und Medienverhalten geändert hat….
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3 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

QuantPress - Internationale MedienCooperation
12. März 2018 13:03

“Bürgergenossenschaft trifft Bürgerbanken” – Auch das könnte eine interessante Form von regionaler oder kommunaler Selbstorganisation sein, über die es sich lohnt intensiver nachzudenken

Blogger CoopTransform
11. März 2018 17:15

Bürger-Genossenschaften – Die Selbstorganisation von unten (Teil 2)

Frage:
Könnten Bürgergenossenschaften unsere Gemeinde attraktiver machen?
Bevor wir auf die einzelnen Situationen (siehe Teil 1 „BürgerGenos“) näher eingehen, möchten wir noch einige Informationen und Hinweise dazu gegen, wofür Bürgergenossenschaften nützlich sein können und wie Bürgergenossenschaften initiiert werden können.
Zunächst möchten wir Bürgergenossenschaften kurz „verorten“. Sie sollten – im doppelten Sinne – durchaus als wichtiger Teil eines größeren (politischen) Umbau- bzw. Umbruch-Prozesses begriffen werden:
Der Wandel von einer Gesellschaft der Konkurrenz und des „Gegeneinanders“, hin zu einer Gesellschaft der Kooperation und des „Miteinanders“ mittels Selbstorganisation und Selbstverantwortung, lässt sich auf der unmittelbaren „Lebensebene“ (Wohnort) der Menschen am besten nachvollziehen und zeitnah realisieren.
Wer unmittelbar erlebt, was es heißt zu kooperieren, sammelt wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse, um diese Prinzipien auch auf der Ebene von Ländern und auf Bundesebene als wertvoll zu erkennen und kann/wird dann eher für entsprechenden Einfluss auf die politischen Parteien und Gruppen sorgen …
Wir nennen dies Konzept: „Kommunale Selbstorganisation“.
Es gibt bereits vielfältige Formen, nicht zu warten, bis endlich zufriedenstellende Lebensbedingungen im Wohnumfeld seitens der Politik geschaffen werden, sondern die „Lücke“ zwischen „politisch möglich und menschlich erforderlich“ (gemeinschaftlich) selbst zu gestalten. Auf dieser Ebene ist „Selbstorganisation“ bereits eine Art „Best Practice“, sozusagen „intelligente Normalität“ geworden. …
In Form von Vereinen und/oder Genossenschaften, haben sich Bürger in Ortschaften (Gemeinden) zusammengeschlossen, um Defizite in Teilbereichen auszugleichen oder vermeiden können. Anlass zu solchen Gründungen war jedoch bisher meist, dass Defizite aktuell auftraten oder nunmehr erkannt wurden. Die Gründungen folgten einem aktuellen Erkennen bzw. Erfahren von „Problemlagen“.
So sind „Seniorengenossenschaften“, „Dorfläden“, „Bürgerenergie-genossenschaften„ – oder in anderer „Firmierungen“ in Erscheinung getretene „Lösungsmodelle“ – bisher meist entstanden. Sie alle sind bereits irgendeine Art von „BürgerSelbstorganisation“, gleich ob als Verein oder Genossenschaft „firmierend“. Wer unter solchen – oder ähnlichen Begriffen – im Internet recherchiert, wird überrascht sein, wie viele und wie vielfältig es bereits solche Projekte in Deutschland gibt. …
Der von uns gewählte Begriff „Bürger-Genossenschaft“ ist Teil einer systematischen Gestaltung von Selbstorganisation auf Wohnort-Ebene. Während es bisher meist erst eines konkreten „Brennpunktes“ bedurfte, damit sich Bürger selbstorganisieren, wird nunmehr ein Konzept des „Miteinander von unten“ vorgeschlagen, das „permanent und vorausschauend“ gestaltet.
Um den Beitrag hier nicht unnötig auszuweiten, wollen wir es bei einigen Hinweisen belassen:
A. Der demografische Wandel führt zu Abwanderungen in Oberzentren. BürgerGenos könnten diesen Trend positiv beeinflussen.

B. Digitale Entwicklungen lassen es nunmehr, zumindest bei einigen und zunehmend mehr Unternehmen, als gleichgültig erscheinen, wo der Unternehmensstandort ist. Um solche Unternehmen anzusprechen, bedarf es nicht erst des „Ausweisens attraktiver und ausgelagerter Gewerbeflächen“. Der Bereich „Dienstleistungen“ benötigt keine seperaten Flächen, weil er weder „Krach macht, noch sonstig das Wohnumfeld tangiert. Vorrangig ist dort jedoch das Vorhandensein von leistungsfähigen Internetverbindungen erforderlich. Aber dessen Einrichtung geht derzeit zunächst den Weg „erst die Ballungsgebiete, dann der Rest“. Das wäre mittels dem Einfluss von Bürgergenossenschaften umzukehren …

C. Immer mehr Unternehmen aus den Ballungsräumen erkennen, dass es eigentlich nicht unbedingt erforderlich ist, Büros in “Palästen“ teuer zu bezahlen, wenn es auch anders geht. Wenn Mitarbeiter sich durch Staus – gestresst und mit hohem Zeitverlust – quälen müssen, erkennen auch diese, dass es anders gehen kann. In der Nähe zum Arbeitsplatz wohnen, bei guter Qualität und bezahlbaren Miete – darüber denken inzwischen viele Menschen nach. Gute Anbindungen an Bahn und Straße könnten jetzt vorrangige Themen werden, um Gemeinden attraktiv zu machen. Es macht wenig Sinn, immer schneller per Zug oder Flugzeug von Oberzentrum zu Oberzentrum zu kommen, wenn man dann viel Zeit verliert, bis man den Kunden oder den Arbeitsplatz erreicht. – Auch hier sind Initiativen von „Bürgergenossenschaften“ angebracht …

Allein diese wenigen Beispiele zeigen, in welche Richtungen sich BürgerGenos auch entwickeln können: Sich z.B. auch aktiv um die örtliche Wirtschaftsentwicklung zu bemühen.
Das muss man nicht selbst können oder tun, es könnte oftmals schon ausreichen, dazu entsprechende Impulse in Richtung Parlamente oder Wirtschaftsorganisationen zu geben …
D. Menschen über 60 oder 65 Jahre fühlen sich heute längst nicht unbedingt als „Rentner“. Sie sind vital, gut ausgebildet mit viel Lebens- und Berufserfahrung ausgestattet. Es könnte sich lohnen für Bürgergenossenschaften, diese Menschen systematisch zu identifizieren und anzusprechen. Daraus könnte dann ein „Fundus“ entstehen, in welche Richtung sich eine Bürgergenossenschaft mit ihren (eigenen) Angeboten bewegen könnte.

E. Natürlich macht es viel Sinn, eng mit den örtlichen Vereinen und Unternehmen zusammenzuarbeiten. Daraus entstehen u.U. sogar neue Tätigkeitsfelder.

F. Die Aufgabenbereiche, die bisher von Senioren-, Energie- oder anderen „Partial-Genossenschaften“ in der Gemeinde wahrgenommen wurden, sollten nicht konkurrierend gesehen werden. Man muss auch nicht verschmelzen, „Kooperationsvereinbarungen“ sind oftmals intelligentere Wege für Selbstorganisation.

G. In einigen „Bürgergenossenschaften“ ist auch eine „Post- oder Paketagentur“ integriert, andere haben ein kleines Cafe‘, einen Imbiss oder eine Gaststätte integriert, wieder andere betreiben einen „Dorfladen“.
Unschwer zu sehen, welch breites Spektrum eine Bürgergenossenschaft alles integrieren kann. …
Und die Erträge? Weshalb eigentlich nicht auch angemessenen Gewinn erzielen? Ja, unbedingt, denn das schafft Unabhängigkeit. Eine Bürgergenossenschaft ist weniger ein „Gemeinnützigkeits-Projekt“, sondern eher ein (kleiner) Wirtschaftsbetrieb. Genau damit könnten einige Menschen (noch) Probleme haben. Bedenken Sie bitte: Auch in einer Wirtschaft oder Gesellschaft, die nach kooperativen „Spielregeln“ funktioniert, wird es eine Art „Leistungsaustausch“ geben. Also warum dies nicht von Anfang an – selbstorganisiert – erproben?
Eine Genossenschaft, die z.B. günstigere Bezugsbedingungen für ihre Mitglieder bei Lieferanten aushandelt, muss nicht 100% „weiterreichen“, 50% direkte Ersparnis für das Mitglied (Käufer) sind auch eine gute Quote. …
Worum es besonders geht, ist zu erkennen, dass „Gruppen“ (und eine Bürger-Genossenschaft ist eine solche) enorme „Einsparpotenziale“ erzielen können. Und je größer die Gruppe, umso besser die Vorzüge, nicht nur bei Preisen, sondern vor allem auch beim Service und natürlich beim leidigen Thema „Reklamationen“.
Das lässt die Frage aufkommen:
Kann eine Bürger-Genossenschaft etwa den „Verbraucherschutz“ für ihre Mitglieder besser gewährleisten, wie es der Staat mit seinen Gesetzen je könnte? JA – durchaus und sogar sehr wirksam! Dafür es gibt es bereits gute Beispiele. …
Es ließen sich noch mannigfache Aufgaben und Gestaltungsmöglichkeiten darstellen.
Um über die Gründung einer (selbstorganisierten) Bürgergenossenschaft ernsthaft nachzudenken, dafür sollte das Gesagte – als Einstieg – ausreichen.
So geht „Selbstorganisation der Bürger“!
Auch – oder besonders dann – wenn Politik und Parteien diese Chancen noch nicht erkannt haben oder nicht erkennen wollen, weil sie meinen, dadurch an Einfluss verlieren könnten. Das kann sein, muss aber nicht. Wenn Politik und Parteien kooperieren, wäre eine fruchtbare Arbeitsteilung optimal.
Und wenn sie das nicht täten?
Dann würde das die Menschen auch nicht davon abhalten, sich selbst zu organisieren.
Umfragen zeigen deutlich: Die ganz überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland mag eine Gesellschaft des „Miteinanders“ statt eine der „Konkurrenz“.
Und für „Miteinander“ ist „selbstorganisiert“ nicht nur intelligent, sondern unverzichtbar …

Hinweis: Im Teil 3 werden wir Ihnen noch eine „spannende“ Möglichkeit vorstellen, wie man ggf. noch nicht einmal eine neue Genossenschaft gründen muss und sich auch über das „Genossenschaftskapital“ keine Gedanken machen muss … dazu haben wir einen interessanten Literaturhinweis – nachstehend –beigefügt:
Ein Taschenbuch mit dem Titel „Unsere Volksbank soll fusionieren“ (Autor: Georg Scheumann, Verlag UDG eG) kann direkt über http://www.igenos.de oder über http://www.coopgo.de bestellt werden. Für potenzielle Planer von Bürgergenossenschaften, sollte es unbedingt ausgewertet werden.)

(Gern können Sie „TransCoop“ Ihre Fragen zusenden. Wir werden unsere Antworten – möglichst zeitnah – entweder einzeln oder innerhalb eines gleichen Themenkomplexes veröffentlichen.)


Von Blogger am 3/11/2018 08:06:00 vorm. unter CoopTransform – Nachrichten, Informationen, Konzepte zur kooperativen Zeitenwende eingestellt

Könnten Bürgergenossenschaften unsere Gemeinde attraktiver machen? Eindeutig JA.
Nichts ist belebender, als wenn die Bürger einer Gemeinde beginnen, sich selbst zu organisieren. Leider hat auch dazu die neue Bundesregierung nichts gesagt.
Immer wenn es darum geht, dass Menschen beginnen könnten, zu erkennen, wie einfach und doch vorteilhaft es ist, Selbstorganisation zu praktizieren, sich in Genossenschaften oder Vereinen zusammenzuschließen, glaubt „Politik“ an Bedeutung zu verlieren und weicht aus. Meint man vielleicht die „Kontrolle“ über oder den „Einfluss“ auf die Menschen zu verlieren? …
Meinungsbildung und Umsetzung von Beschlüssen, wird dann nicht mehr dem „Wahlkampf“ oder anderen Formen von „Rivalität“ ausgesetzt. Wenn das Denken und Handeln im Rahmen von „Gegeneinander“ überwunden wird – wird in der Politik, besonders in der Kommunalpolitik vieles einfach und schnell zu realisieren sein. Dann bekommt Demokratie auch wieder Substanz.
Nicht die Ansicht einer einzelnen Partei ist entscheidend, sondern ausschließlich das Wohl aller Menschen.
Schauen man sich „kommunale Wahlkämpfe“ an, dann erkennen man unschwer, was gemeint ist.
Ganz anders geht das – wohnortnah – mittels Kooperation und Selbstorganisation, z.B. in Form einer Bürgergenossenschaft.
Eine Bürgergenossenschaft steht auch nicht unter „kommunalen Aufsicht“, ein Bremsklotz, der jeden engagierten Kommunalpolitiker schier zur Verzweiflung bringen kann. Dieses Relikt (Aufsicht) verhindert, dass wirklich wohnortnah Politik gemacht werden kann. Was „Gemeindeparlamente“ dürfen oder lassen müssen, ist genau festgeschrieben. Nur wenig davon berührt die eigentlichen Bürgerinteressen.
Lebenswichtige Bereiche der Menschen werden nach „ortsfern ausgelagert“, finden – fernab vom Wohnort der Menschen statt (Landtag oder Bundestag). Deshalb findet Kommunalpolitik auch recht wenig Interesse bei der Bevölkerung. Man diskutiert und beschließt eigentlich eher „Nebensächliches“. Erst auf Landesebene beginnt sich das zu ändern. …
Dazu einige Beispiele:
Ob die Straßenbeleuchtung eine Stunde länger an bleibt oder nicht, dafür „erregen“ sich die Fraktionen in Kommunalparlamenten oft stundenlang. Und letztlich geht es nur noch darum, von welcher Partei die „Beschlussvorlage“ eingebracht wird. Nicht die Qualität der Initiativen hat Vorrang, sondern der Absender (Partei x oder y). Das führt dann zu so „unfassbaren Komödien“, dass man sich nie sicher sein kann, ob das Beste für die Bürger oder der „Sieg“ einer Partei im Vordergrund steht.
Im Rahmen von bürgerschaftlicher Selbstorganisation, also in einer Bürger-Genossenschaft gibt es diese Form von „Lagerbildung“ nicht. Natürlich ist auch dort wohl nicht ganz auszuschließen, dass sich partielle Gruppeninteressen ausbilden. Aber letztlich können alle Mitwirkenden insgesamt direkten Einfluss auf das Ergebnis nehmen. …
Bedeutender als die „Beleuchtungsdauer von Straßenlaternen“ dürfte zweifellos sein, dass die Bürger zu Fragen, wie z.B. Schule (nicht nur die Räume, sondern auch die Inhalte), Medizinische- oder Pflegeversorgung, über berufliche Perspektiven ihrer Kinder, oder über ähnlich wichtige Themen beraten und beschließen möchten. Das ist – wenn überhaupt – nur sehr begrenzt in der Kommunalpolitik möglich. Und wenn die Bürger letztlich mühsam eine Bürgerversammlung durchgesetzt haben, um solche Themen zu diskutieren, dann erkennen sie schnell, dass ihnen die „Selbst-Gestaltungs-Hoheit“ fehlt. Menschen in Bürgerversammlungen können quasi beschließen, was sie wollen, nur wenn die Mehrheit des Kommunal-Parlaments sich dieses Votum zu Eigen macht, beginnt sich der Bürgerwille langsam in Bewegung zu setzen. Von einer Realisierung ist man immer noch weit entfernt. Hat die Bürgerversammlung zu Themen votiert, die nicht der kommunalen Zuständigkeit entsprechen, kann dies allenfalls dazu führen, dass der Antrag an Fraktionen oder Parteien im Land oder Bund „überwiesen“ wird. Dort konkurriert er dann meist mit vielen (ähnlichen) Anträgen aus anderen Regionen. Da auch meist notwendige Mittel erst beschafft werden müssen, können leicht Jahre vergehen, bis eine Lösung geschaffen wird. …
So etwas stimmt Bürger nicht gerade „euphorisch“. …
Natürlich gibt es einen Gemeindehaushalt. Aber der ist nicht nur finanziell begrenzt, sondern gibt auch keinen Spielraum für Projekte und Lösungen, die wirklich dem Anliegen der Bürger entsprechen.
Werden wir dazu mal „extrem praktisch“ und wählen folgende Situationen, die zugleich den „Nerv“ vieler Bürger tangieren und zeigen, welche (zusätzlichen) Möglichkeiten sich für „Bürgergenossenschaften“ eröffnen. Dies gilt nicht nur bezüglich einer zeitnahen Realisierung von Projekten, sondern der Art der Problemlösung.
Situation 1:
Der Ort ist inzwischen ohne jedwede Möglichkeit zur Deckung der Mittel des täglichen Bedarfs für die Bewohner. Es gibt weder Bäckerei, noch Fleischerei oder ein Ladengeschäft. Vielleicht für jüngere Menschen kein Problem. Sie haben eigene Autos oder nutzen Busse. Aber für viele ältere Menschen, gar für pflegebedürftige oder behinderte Menschen, ist ein Ort ohne Einkaufsmöglichkeiten schon ein großes Handicap.
Situation 2:
Die Grundschule, der Kindergarten und der Hort in einer Gemeinde werden geschlossen. Die Begründung: Die Nutzerzahlen sind zurückgegangen und man müsse deshalb „Fusionieren“. Die Eltern der Gemeinde sehen große Probleme …
Situation 3:
In der Gesamt-Gemeinde (oder Kleinstadt mit mehreren Ortschaften) wird die Sekundarschule geschlossen. Die Kinder müssen nunmehr in eine „Mittelpunktschule“ gehen. Die Schulweg-Zeiten werden dadurch für viele Kinder um täglich mehr als 2 Stunden länger. Oft müssen die Kinder sogar mehrmals umsteigen. Viele Eltern überlegen, den Wohnort zu wechseln …
Situation 4:
Die örtlichen Filialen der Volksbank in der Gesamt-Gemeinde sollen geschlossen werden. Begründung: Man müsse fusionieren, so sagen die Informationen der Bank. Dazu soll die kleine Volksbank mit einer größeren Volksbank (in der 30 Km entfernten Stadt) verschmelzen. Den Mitgliedern der kleineren Volksbank wird gesagt, dass sich für sie nichts ändern werden, ihre Mitgliedschaft würde unkompliziert auf die größere Bank übertragen. …
Es ist nun anmerken, dass die gewählten Beispiele irgendwie nicht zusammen zu passen. Vor allem taucht die Frage auf, was diese 4 Situationen mit der Gründung von „Bürgergenossenschaften“ zu tun haben. Die Antwort ist recht einfach. Die Genossenschaft ist ja schon da und verfügt über ausreichend Kapital. Wenn die Bank also unbedingt fusionieren soll, dann sollen die Eigentümer – also die Mitglieder der Bank die Regeln selbst festlegen. Was spricht denn dagegen das Bankgeschäft zu verkaufen und im Rahmen einer Satzungsänderung den Geschäftszweck der Bankgenossenschaft zu ändern. Nichts, die Mitglieder müssen dieses lediglich beschließen. Auch für Genossenschaften gilt die Satzungsfreiheit. So einfach lässt sich eine Bankgenossenschaft in eine Dorfgenossenschaft umzuwandeln. Probleme bei der Umsetzung? Fragen Sie uns. http://www.MMW-eV.de (Menschen machen Wirtschaft) unterstützt Sie bei der Umsetzung.

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