Elterngenossenschaften: Smartphone und Tablet sind kein Ersatz für Mutterliebe. Grenzen der Digitalisierung

Leipzig, 16. März 2018 (geno).Die Digitalisierung im Kinderzimmer hat ihre Grenzen.  Eltern stehen mit ihren Kleinkindern ohnmächtig vor der geradezu allmächtigen Herausforderung der Digitalisierung. Der Schweizer Psychologe Moritz Nestor schildert am Donnerstagabend in Leipzig in der nötigen Dramatik die fast ausweglose Situation, denen sogar schon hilflose Babys in einem Lebensalter unter einem Jahr ausgeliefert werden, indem man ihnen “zum Spielen” ein Tablet oder Smartphon in die Hand drückt. Einer Agenturmeldung aus den USA zufolge, betreffe das dort bereits ein Drittel der bis zu zwei Jahre alten Kinder, die “noch vor dem Erlernen des aufrechten Gangs auf dem Smartphone umhertappen”. Die Auswirkungen der Bildschirmwelt auf heranwachsende  Kinder seien desaströs und mit irreparablen Schädigungen für das fernere menschliche Leben verbunden. Deswegen müssten die ersten drei Lebensjahre völlig frei bleiben von der virtuellen Welt. Der direkte Dialog zwischen Kind und Eltern aus Fleisch und Blut sei für das junge Leben allentscheidend. Er lasse sich nicht digitalisieren. Auch für die folgenden Jugendjahre sei der Gebrauch digitaler Kommunikationsmittel zu begrenzen. “Das ganze Gerede von ‘digitaler Bildung’ ist ein großer Bluff, ein Schwindel und mehr als ein Irrtum”, empört sich Nestor. Nach “zirkulären Prozessen” funktionierten nur Maschinen, aber nicht Menschen. Vom “Elektronengehirn” zu sprechen, sei völlig falsch. Um glücklich zu sein, braucht der Mensch ausschließlich analoge Vorgänge. Dem auch politisch proklamierten Wahn zur umfassenden Digitalisierung liegen nach den Worten von Nestor ungeheure Wirtschaftsinteressen zugrunde. Stiftungen lieferten die Studien, mit denen die Politik überzeugt werden soll. Am Ende stehe die mechanische Verwaltung von Menschen.

Bei der anschließenden Diskussion beschreiben Mütter, Väter und Großeltern die ungeheuren Anspannungen, denen sie von allen Seiten der Gesellschaft ausgesetzt sind. Um Auswege zu finden, wird die Selbstbesinnung auf die eigenen Kräfte beschworen. Das Leben der Familie in die eigenen Hände zu nehmen und selbst zu verwalten, wird als geeignet empfunden. Empfohlen wird, sich in Elterninitiativen zusammenzufinden und gegen menschenverachtende Forderungen zu wehren. Prof. Gudrun Kammasch aus Berlin rät, einfach eine Anzeige in der örtlichen Tageszeitung aufzugeben mit einem Aufruf an Eltern, sich zur aktiven Gegenwehr in Selbsthilfeorganisationen zusammenzufinden. Sie selbst habe damit in Gestalt von Genossenschaften und solidarischen Gemeinschaften beste Erfahrungen gemacht. ++ (di/mgn/16.03.18 – 055)

www.genonachrichten.de, www.genossenschaftsnachrichten.wordpress.com, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Blogger 21 CoopTransform
    18. März 2018 21:03

    Der Industriegesellschaft folgte die Dienstleistungsgesellschaft was kommt jetzt?

    Die digitale Revolution begann ganz harmlos mit der Einführung des Personal Computers, des Faxgerätes, des Mobiltelefone und des Internet.

    Dann wurde alles viel schneller. Die Digitalisierung des Alltags kann als Fortsetzung der industriellen Konditionierung, also der „Abrichtung zum Lohnarbeiter“ im späten 19. Jahrhunderts ansehen werden. Die Funktionsmechanismen sind vergleichbar. Die neuen Tugenden hießen nicht mehr Pünktlichkeit und Disziplin sondern Transparenz und 24 Stunden Verfügbarkeit. Beide Prozesse dienen letztendlich der gesteuerten Individualisierung und somit indirekt dem Systemerhalt durch die soziale Kontrolle. Allerdings gab es keine Landesgrenzenzen mehr. Die Digitalisierung war plötzlich überall. Die Kinderzimmer in den Industrienationen waren die letzte Marktnische.

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