Plattform Genossenschaften im Aufwind

Wien, 4. September 2019 (geno). Die Gründung von Plattform Genossenschaften ist die Antwort auf viele moderne digitale Herausforderungen. Das ist das Fazit einer Tagung unter dem Titel “Arbeit neu denken”, die die Genossenschaft Smart Austria, die Universität Wien und der Österreichische Genossenschaftsverband (ÖGV) in Wien veranstaltet haben. Das österreichische Magazin “cooperativ” berichtet darüber in seiner jüngsten Ausgabe.

Hauptredner der Konferenz war der US-Forscher Trebor Scholz, der den Gegenentwurf zu großen, von Risikokapitalgebern finanzierten Online-Plattformen in digitalen Plattform Genossenschaften (Platform-Coops) sieht. Sie stünden im Eigentum ihrer Mitarbeiter und Nutzer. Zudem seien sie demokratisch gestaltet. Als Beispiel nannte er die US-Bildagentur Stocksy, die Eigentum von tausend Fotografen ist. In Montreal sei kürzlich der genossenschaftliche Fahrdienstvermittler Eva gestartet. Demnächst wolle in Europa die Airbnb-Alternative Fairbnb in Amsterdam, Barcelona und Venedig Zimmer vermitteln. ++ (dt/mgn/04.09.19 – 146)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

Weitere Hintergrundinfos zur Plattform Bewegung: Auszug aus den GenoNachrichten vom 23.8.2018

Trebor Scholz ist Professor an der New School in New York und gehört zu den Mitbegründern der Platform-coop Idee. Trebor Scholz. 
Die „Sharing Economy“ war so nicht gedacht. Mithilfe von Kleinstcomputern, die wir tagtäglich mit uns herumtragen, sollten wir in unserer Freizeit Geld verdienen, indem wir nicht gebrauchte Besitztümer vermieten, Bilder und Bewertungen teilen, kostenlose Marktforschung betreiben, als Bildreporter oder Taxiwettbewerber im Dauereinsatz sind. Die Vision war idealistisch – oder erschien zumindest so, die Realität sieht am Ende anders aus.

Das „Teilen“ steht in dieser „neuen Wirtschaft genannt Sharing Economy“ gar nicht im Fokus. In der digitalen Dienstleistungswirtschaft – oder besser digitalem Kapitalismus – wird richtig Geld auf Kosten der Mitspieler verdient, die manchmal zynisch  “Taskrobbots” oder “Monkeys” genannt werden.  Diese stellen ihre Wohnung als Übernachtungsquartier zur Verfügung, verdingen sich als austauschbare „Monkeys“ für Pizza Bringdienste, bewerten Restaurants und Geschäfte oder sie machen dem Taxigewerbe Wettbewerb. Systemanbieter wie z.B. AIRB&B oder Uber erwirtschaften über ihre  zwischengeschalteten Serviceportale hohe Gewinne. Gleichzeitig schaffen diese digitalen Serviceportale eine neue Form der Ausbeutung und Abhängigkeit, ja, das neue System gefährdet auch bestehende Arbeitsplätze.(*) Uber = Sklavenarbeit so berichtet das Handelsblatt von einem Kongress aufgebrachter Berliner Taxifahrer.

„Platform Cooperativism, “ setzt sich dafür ein, dass nicht fremde Investoren große Gewinne einfahren, sondern  “die Plattform”, quasi als Genossenschaft, ihre Nutzer fördert.
Platform Cooperativism basiert auf der Überzeugung, dass die vielfältigen Probleme der Sharing Economy, das heißt ihrer profit-orientierten Logik, nur angegangen werden können, indem Besitzverhältnisse verändert bzw. angepasst werden. Grob vereinfacht ist die Idee der Platform-coop eine Aufforderung zur genossenschaftlichen Selbstorganisation. Das Ziel:  Wir holen uns unsere Sharing Economy zurück und überlassen diese digitalen Dienstleistungsplattformen nicht den Hedgefonds und Investmentbankern, die auf unseren Schultern große Gewinne einstreichen. Das Konzept geht auf. 
Fairmondo macht es vor.

Hat das  Thema Platform coop für uns überhaupt irgendeine gesellschaftliche Relevanz? Wir nutzen täglich wikipedia, ein auf Open Scource  Produkt, das niemanden gehört. Brockhaus war gestern und ist inzwischen abgewickelt. Die Genonachrichten und viele anderen Internetseiten arbeiten mit WordPress – auch ein open Source Produkt.

Wir hosten unsere Internetseiten bei der Hostsharing eG, dort sind wir keine Nummer, sondern quasi Familienmitglieder, Genossen.

Aktuelle Ergänzung der Redaktion GenoNachrichten:

Der Genossenschaftsverband MMW-CoopGo hat auf seiner Internetseite den neuen Trend sehr bildlich beschrieben. Ein Rettungsring – ein Relikt aus dem 18.Jahrhundert schwebt durch das Weltall. Es erscheint eine Fehlermeldung und die Aufforderung zum Reset.
Der Verweis auf Mr. Adam Smith, dem Erfinder der Nationalökonomie, auf dessen Hauptwerk: “Der Reichtum der Nationen” sagt viel aus. Unser heute, real existierendes Wirtschaftssystem der “unsichtbaren Hand” wurde im Jahr 1776 erfunden. Smith ist der Urheber der neoliberalen Wettbewerbspolitik und deren Folgen.
Trebor Scholz gehört sicherlich zu den Wegbereitern einer neuen Wirtschaftsordnung. Inzwischen entwickelt sich auch in Berlin eine echte Szene mit einem eigenen Supermarkt der Ideen.

Der Homo oeconomicus wird vom Homo cooperativus abgelöst. Fest steht: Die Plattform Genossenschaften sind eine Antwort auf den von der “Hebelwirkung” geprägten neoliberalen Heuschrecken Kultur.

Hier folgen noch weitere Hintergrundinformationen der GenoNachrichten:

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