In Bolivien schlägt die Stunde des Lithiums und der Genossenschaften

Le Paz/Uyuni, 27. Juli 2018 (geno). „In Bolivien schlägt die Stunde des Lithiums“, titelt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) am Freitag einen ganzseitigen Beitrag. Und zu ergänzen wäre – die Stunde der Genossenschaften, denn sie gelten als Rückrat des bolivianischen Bergbaus.

Lithium ist der strategische Rohstoff zur Produktion von Batterien und damit für den Bau von Elektroautos. Bolivien sitzt allein an einem einzigen Standort – dem Salzsee Salar de Uyuni – auf einem Lithium-Vorkommen von geschätzten neun Millionen Tonnen.

Allein diese Menge torpediert das Andenland auf Platz zwei der Lithium-Weltrangliste nach Argentinien und noch vor Chile, China, USA, Australien und Kanada. Die Automobilindustrie blickt deshalb mit großer Begierde nach La Paz, auf seinen Staatspräsidenten Evo Morales und seinen Bergbauminister Jose Antonio Pimantel. Er ist ein Experte für Arbeitsrecht und der Gewerkschaftsbewegung. Deshalb wird er darauf achten, dass der Kleinbergbau in Gestalt von privaten Kleinbetrieben und Kooperativen bei einem künftigen Abbau des Rohstoffs nicht zu kurz kommt. Denn das historische Trauma der Bolivianer aus der spanischen Kolonialzeit sitzt tief und ist aktuell wie eh und je. Nie wieder wollen sie so ausgeplündert und ausgebeutet werden wie in der Zeit von 1545 bis 1825, als die Kolonialherren schätzungsweise acht Millionen indigene Bergleute sterben ließen und das zutage geförderte Silbererz vollständig außer Landes brachten. Dessen ist sich Pimantel bewusst. Er kennt die Angst vor Ausbeutung. „Die Vergangenheit wird nicht zurückkehren. Nicht noch einmal soll sich der Norden auf bolivianischem Boden bereichern.“ Die politische Parole ist  deshalb hochanspruchsvoll und lautet: Batterien und Elektroautos können auch in Bolivien gebaut werden.

Doch zunächst geht es um das Schürfen und Verarbeiten des Rohstoffs Lithium. Eine Zielmarktanalyse des bundesdeutschen Wirtschaftsministeriums „Bolivianischer Bergbausektor“ beschreibt das Gewicht der Genossenschaften im Jahr 2015 bereits sehr treffend. „Die größte politische Rolle spielen im Bergbau Boliviens der nationalisierte Bergbau und die Kooperativen.“ Im Kleinbergbau „Mineria Pequena“ werde privat oder als Kleinkooperativen in winzigen oder verlassenen Minen gearbeitet. „Die Genossenschaften oder auch kooperativen Unternehmen verfügen über dieselben Eigenschaften wie der Kleinbergbau. Das heißt die Löhne sind sehr niedrig, Sicherheit am Arbeitsplatz ist kaum garantiert und soziale Absicherung existiert kaum bis gar nicht.“ Es gebe in Bolivien zwischen 2.500 und 4.000 Kleinbergbaubetriebe. Die Zahl der Kooperativen wird auf 1.700 beziffert. Davon beschäftigen sich allein mit der Gewinnung von Gold 1.100 Genossenschaften. Laut Verband der regionalen Kooperativen Auriferas befinden sich 91 Prozent der goldfördernden Genossenschaften im Bezirk La Paz. Im Allgemeinen beschränke sich der Sektor der Genossenschaften auf die Förderung von Mineralien, die wenig technischen Aufwand erfordern. Dazu gehören Gold, Zinn und Wolfram. Eine denkbare Lösung, um dem Genossenschaftssektor gebührend einzubeziehen sieht das Bundeswirtschaftsministerium darin, Kooperativen in den Minen zu beschäftigen, einen zufriedenstellenden Stundenlohn zu bezahlen und sichere Arbeitsverhältnisse zu garantieren. ++ (bo/mgn/27.07.18 – 147)

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