Zentralisierung und Verantwortung der Prüfungsverbände

Die genossenschaftliche Organisation beruht traditionell auf der Nähe zwischen Mitgliedern und Unternehmen. Mitglieder sind nicht nur Kapitalgeber, sondern zugleich Nutzer der Leistungen der Genossenschaft und Träger ihrer demokratischen Struktur.

Mit zunehmender Größe von Genossenschaften verändert sich dieses Verhältnis jedoch. Wenn Institute immer größer werden, steigen Mitgliederzahlen und räumliche Ausdehnung erheblich. Dadurch können Entscheidungsstrukturen komplexer werden und die unmittelbare Beziehung zwischen Mitgliedern und Genossenschaft kann schwächer werden.

Diese Entwicklung ist nicht zwangsläufig problematisch. Auch größere Genossenschaften können ihre Mitglieder erfolgreich fördern. Dennoch stellt sich eine grundlegende Frage: Gibt es eine Grenze, an der zunehmende Zentralisierung das genossenschaftliche Prinzip verändert?

Hier kommt der Förderauftrag erneut als rechtlicher Orientierungspunkt ins Spiel. Die Genossenschaft ist keine gewöhnliche Unternehmensform. Sie ist eine Mitgliederorganisation, deren wirtschaftliche Tätigkeit der Förderung ihrer Mitglieder dient.

Gerade deshalb kommt den genossenschaftlichen Prüfungsverbänden eine besondere Verantwortung zu. Das Bundesverfassungsgericht hat die privilegierte Stellung der Prüfungsverbände ausdrücklich mit ihrer Schutzfunktion gegenüber den Mitgliedern begründet.

Aus dieser besonderen Stellung folgt auch eine besondere Verpflichtung. Prüfungsverbände sollen nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen prüfen, sondern auch darauf achten, dass die Genossenschaft ihrem gesetzlichen Förderauftrag treu bleibt.

Der Förderauftrag wirkt damit wie ein Kompass für die zukünftige Entwicklung der Genossenschaften. Er verhindert nicht jede strukturelle Veränderung, erinnert aber daran, dass Größe und Zentralisierung nicht zum Selbstzweck werden dürfen.

Am Ende bleibt ein einfacher Grundsatz:
Nicht die Mitglieder existieren für die Bank – die Bank existiert für ihre Mitglieder.

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