Genossenschaftsidee soll sich frei nach Victor Hugo entfalten – Internationaler Genossenschaftstag gefeiert

Quebec/New York/Berlin, 2. Juli 2017 (geno). Das Wochenende stand ganz im Zeichen des Internationalen Genossenschaftstages, der alljährlich am ersten Juli-Samstag begangen wird. Seine Geburtsstunde schlug bereits im Jahr 1923, als ihn die International Cooperative Alliance (ICA) erstmals ausgerufen hatte. Er soll das Bewusstsein für Genossenschaften schärfen und internationale Solidarität, ökonomische Effizienz, Gleichheit und Frieden als Erfolge und Ideale der Genossenschaftsbewegung feiern und fördern.

Zusätzlich wurde dieser Tag im Jahr 1992 durch die Vereinten Nationen aufgewertet, die jeden ersten Sonnabend im Juli vom Jahr 1995 an zum „United Nations International Day of Cooperatives“ adelte. Damit will die UNO den Internationalen Genossenschaftstag als Zeichen des gemeinsamen Beitrags der Genossenschaftsbewegung und der UNO zur Lösung globaler Fragen bewertet wissen. In diesem Jahr stehen thematisch Solidarität, nachhaltige Wirtschaftlichkeit und Inklusion im Vordergrund. Die Tageszeitung (taz), die selbst als Genossenschaft organisiert ist, hat eine Ausgabe diesen Schwerpunkten gewidmet. In einer Videobotschaft aus dem kanadischen Quebec hat die Präsidentin des Internationalen Genossenschaftsbundes (IGB), Monique F. Leroux, soziale Gerechtigkeit, Transparenz und Solidarität als Motto des diesjährigen Feiertages erläutert.

Besonderen Glanz erhält der Tag nunmehr noch dadurch, dass die UNESCO die Genossenschaftsidee vor wenigen Monaten auf die repräsentative Liste des immateriellen Weltkulturerbes gesetzt hat. Ein globaler Selbstläufer wird sie dadurch gewiss nicht. Im Gegenteil, es muss hart dafür gearbeitet werden, dass Selbsthilfe, Selbstverantwortung und Selbstverwaltung immer mehr Menschen in einen kooperativen Status ihres Seins versetzen. Das sollte sich frei nach dem geflügelten Wort des französischen Dichters Victor Hugo vollziehen, demzufolge „nichts auf der Welt mächtiger ist als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“. Dass dabei viel Kreativität im Spiel ist, verrät die Entstehungsgeschichte dieses bekannten Zweizeilers. Eine leidenschaftliche Zitatenforscherin ging ihm auf den Grund und fand das Original in Hugos Werk „Histoire d’crime“ (Geschichte eines Verbrechens). Es heißt dort in Französisch „On resiste a l’invasion des armees; on ne resiste pas a l’invasion des idees“ und in der deutschen Übersetzung „Man kann der Invasion von Armeen Widerstand leisten, aber keiner Invasion von Ideen“. Das ist der Genossenschaftsidee, die eigentlich uralt ist, jedoch allzu oft behindert, ignoriert oder sogar bekämpft wurde, zu wünschen. Möge sie sich frei nach Victor Hugo entfalten. Auch und gerade in der verfahrenen und orientierungslosen Lage in Deutschland. ++ (gt/mgn/02.07.17 – 131)

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