Stromkooperativen bringen digitale USA-Infrastruktur in Schwung

Jones County, 9. November 2021 (geno). Die Stromkooperative Tri-County EMC (Tri-Co-Go) im US-Bundesstaat Georgia hat im Jahr 2019 entschieden, selbst Glasfaserkabel zu verlegen und zum Internetbetreiber zu werden. In den nächsten zwei Jahren will die Genossenschaft knapp 2.600 Kilometer Glasfaserkabel verlegen und ihre 22.000 Stromkunden mit einem schnellen Internet-Zugang versorgen. Wie der Deutschlandfunk am Dienstagabend aus der Kleinstadt Jones County weiter berichtet, ist der Zeitplan nach Auffassung von Geschäftsführer Greg Mullis ambitioniert. Er gehe aber manchen noch nicht schnell genug. Die Leute warteten ungeduldig auf ihren Anschluss und seien ganz aufgeregt, wenn sie ein Tri-Co-Go-Auto sehen. Für Mullis ist klar, dass Highspeed-Internet ein fundamentales Element der Infrastruktur – für Privatleute wie für Unternehmen – ist. Damit avanciere es längst zum Schlüsselinstrument der Wirtschaftsförderung.

„Wir in Zentral-Georgia sind ein attraktiver Standort für die Ansiedlung von Unternehmen aus den USA und aus aller Welt, besonders aus Europa und Asien. Diese Firmen müssen weltweit digital vernetzt sein. Und selbst ganz einfache industrielle Produktion braucht heute eine stabile Internetverbindung, weil alle Prozesse computergesteuert sind“, so Mullis. Jones County sei eigentlich ein idealer Ort für Unternehmensansiedlungen. Die Steuern seien niedrig, die Gewerkschaften unpopulär, es gebe reichlich vorhandenes Bauland und verfügbare Arbeitskräfte. Nur kein Internet.

Die Initiative der Stromgenossenschaft Tri-Co-Go ist eines von mehreren kreativen Konzepten, mit denen Kommunen in den USA versuchen, die Lücken in der Infrastruktur zumindest teilweise zu schließen. Ein anderes ist der Wiederaufbau von New Orleans, nachdem Hurrikan Katrina 2005 Teile der Stadt zerstörte. Die Stadt hat nach Meinung von Joseph Kane von der Brookings Institution „in einer Kombination aus bundesstaatlichen Fördermitteln einzelstaatlicher und kommunaler Planung ein Modell implementiert, das eben nicht nur die alten Strukturen in besserer Qualität wiederaufbaut, also stabilere Dämme und Deiche, sondern auch mit neuen Konzepten arbeitet, mit grüner Infrastruktur zum Beispiel.“ New Orleans beweise, wie eine besonders gefährdete Stadt ihre Infrastruktur neu erfunden habe. Als weiteres Muster sei Portland im Bundesstaat Oregon zu betrachten.

Die Stromgenossenschaft Tri-Co-Go will mit ihrem Internet-Projekt in zehn Jahren Gewinne schwarze Zahlen schreiben. Es gibt zwar Zuschüsse vom Bundesstaat, aber es kann auch alleine geschafft werden, sagt Mullis. „Wir Stromgenossenschaften sind besorgt, dass Washington die Steuergelder doch wieder an die großen Telekommunikationsgesellschaften vergibt, die dann statt auf dem Land lieber in Gegenden mit höherer Bevölkerungsdichte investieren. Wi beobachten das sehr genau.“

Jede US-Regierung seit Eisenhower hat das Thema Infrastruktur auf die politische Agenda gehoben. Passiert ist seither wenig. Für das laufende Jahrzehnt identifiziert der Berufsverband der amerikanischen Bauingenieure eine Investitionslücke von 2,6 Billionen US-Dollar oder umgerechnet rund 2,2 Billionen Euro. Das von Joe Biden gerade verabschiedete Infrastruktur-Gesetz umfasst Investitionen in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar in den nächsten fünf Jahren. Derzeit gibt es mehr als 900 Energiegenossenschaften in den USA, diese beliefern ihre mehr als 42 Millionen Mitglieder. Das Genossenschaftskonzept orientiert sich an den ICA Prinzipien und wird in diesem Video kurz erklärt. ++ (gs/mgn/09.11.21 – 131)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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