Genossenschaftliche Insel in britischer Brandung

London, 29. Dezember 2021 (geno). Vor 70 Jahren unterschrieb der aus der Schweiz stammende Industrielle Ernest Bader im britischen Cambridge eine Vereinbarung, nach der seine 1923 gegründete Chemiefabrik an die 145 Mitarbeiter übergeben wurde. Das Unternehmen, das inzwischen auf das Vierfache gewachsen ist, ist bis heute im gemeinschaftlichen Eigentum und seitdem nach genossenschaftlichen Prinzipien organisiert.

Der Hauptsitz der Firma Scott Bader, die Kunstharze und Klebstoffe produziert, liegt auf einem Landsitz in Wollaston zwischen Northampton und Bedford in den East Midlands. Die Gebäude wurden 1940 erworben, weil die Firma die Londoner Produktionsstätten wegen der deutschen Bombenangriffe verlassen musste. Angeregt von dem religiös-sozialen Schweizer Theologen Leonhard Ragaz und den englischen Quäkern wollte Ernest Bader der „Herrschaft des Mammon“ andere Werte entgegensetzen und verschenkte deshalb sein Unternehmen. Im Jahr 1966 trat er die Firmenleitung an seinen Sohn ab, der das genossenschaftliche Konzept ausbaute. Der deutsch-englische Ökonom und Ökopionier Ernst Friedrich Schumacher (1911 – 1977) widmete Scott Bader 1973 anerkennende Sätze in seinem Bestseller „Small is beautiful“ und nennt dessen Strategie vorbildhaft.

Gegenwärtig zählt Scott Bader 600 Mitarbeiter. Wer in die Firma eintritt, dem wird nach einer Einführungszeit empfohlen, Mitglied des sogenannten Commonwealth zu werden. Inzwischen soll die Mitgliedsquote bei 85 Prozent betragen. Die Commonwealth-Mitglieder besitzen die letzte Entscheidungsgewalt. Damit ist die Firma gegen feindliche Übernahmen gefeit und kurzfristiges Renditedenken bleibt außen vor. Sie erweist sich als genossenschaftliche Insel in der scharfen Brandung des britischen Raubtier-Kapitalismus. ++ (gb/mgn/29.12.21 – 164)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 60 00 27

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