Homo Cooperativus ist Schlüssel zu neuem Naturvertrag

Gießen, 25. Juli 2021 (geno) “Jean-Jacques Rousseaus von Natur aus hilfsbereiter und mitfühlender Mensch behält insofern Recht gegen Thomas Hobbes, einen Urvater des Homo Oeconomicus, der als rücksichtsloser Egoist erst gezähmt wird, wenn ihm der Staat die Waffen wegnimmt”. Das erklärte der prominente Soziologe Claus Leggewie von der Justus Liebig-Unversität Gießen am Sonntag in einem Essay im Deutschlandfunk. Um diese Aussage zu untermauern, zitierte er zudem den Biologen Martin Nowak: “Ihre Kooperationsfähigkeit ist der eigentliche Grund dafür, dass es Menschen gelungen ist, sich in fast jedem irdischen Ökosystem einen Lebensraum zu erkämpfen und über die Erde hinaus weit in den Weltraum vorzustoßen.” Dass jemand auf seinen Vorteil verzichten muss und alle etwas von Kooperation haben, laute die koevolutionäre Lebensregel. 

Leggewie verwies darüber hinaus auf den Polarforscher Fridtjof Nansen, der im Jahr 1922 als Hochkommissar des Völkerbundes die Einführung eines Passes für staatenlose Flüchtlinge vorgeschlagen und dafür den Friedensnobelpreis erhalten hatte. Ein solcher Klma-Pass sei insbesondere für die Binnenflüchtlinge bedeutsam, die innerhalb der Grenzen ihres Staates vertrieben werden und das Gros des weltweiten Flüchtlingsheeres bilden. Der Corona-Pandemie, dem Klimawandel und anderen globalen Herausforderungen könne man nicht mit nationalen Strategien Herr werden. Hier greife das Paradigma des Homo Cooperativus als Alternative zu dem des Homo Oeconomicus. Es gelte das Theorem vom “Gabentausch” des französischen Soziologen Marcel Mauss, der vor 100 Jahren die Stammesbeziehungen analysierte und ihre Grundstruktur als Basis zur Neugestaltung der Nachkriegsordnung nach dem Ersten Weltkrieg vorgeschlagen hatte. Am Beispiel nordamerikanischer Indigener, die sich teilweise in gegenseitigem geradezu rauschhaftem Schenken ergehen, seien die konstruktiven Konturen des neuen Naturvertrages in Verbindung mit Schuldenschnitt und Schuldenerlass deutlich erkennbar. Dies umzusetzen, habe der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen im Jahr 1987 ermsthaft erwogen. Auch der Patron der Wirtschaftswissenschaft, Lord Keynes, habe dies nach dem Ersten Weltkrieg für die Behandlung des Deutschen Reichs angemahnt. Allerdings hätten sich das die westlichen Siegermächte erst nach dem Zweiten Weltkrieg  zu Herzen genommen. ++ (kl/mgn/25.07.21 – 071)
www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0172 / 26 00 60 27

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