Sozialbilanz für Genossenschaften – von Europa lernen.

Welchen Mehrwert schafft ein Unternehmen für die Gesellschaft? Welche soziale Verantwortung hat ein Unternehmen? Antworten auf diese Fragen soll die Sozialbilanz liefern. Im Unterschied zur Wirtschaftsbilanz informiert sie nicht über die ökonomischen Leistungen eines Unternehmens, sondern über den sozialen Nutzen und die sozialen Kosten betrieblicher Tätigkeiten. War die Erstellung einer solchen sozialen Bilanz bislang freiwillig, so wird sie mit der Reform des Dritten Sektors für öffentliche Einrichtungen und Sozialgenossenschaft in Italien nun verpflichtend.

„Ein Sozialunternehmen hat ja streng genommen zwei Seiten. Auf der einen Seite muss es wirtschaftlich funktionieren und schwarze Zahlen schreiben und auf der anderen Seite haben wir auch einen sozialen Auftrag. Diesen wollen und können wir in der Sozialbilanz darstellen,“ sagt die Präsidentin der Sozialgenossenschaft „Oasis“ Klaudia Resch. Bereits seit 2005 erstellt die Bozner Sozialgenossenschaft eine Sozialbilanz. Dass dies nun auch verpflichtend sein soll, sieht Resch als große Chance. „Die Sozialbilanz ist ein strategisches Mittel. Sie hilft Unternehmen aber auch Konsumenten. Den ersteren dabei, sich ihrer Verantwortung für die Gesellschaft bewusst zu werden und den Konsumenten zeigt sie, welche Werte hinter einer Marke stehen.“

In Hinblick auf die neue Gesetzeslage fand am 29. November die Fachtagung „Das Unternehmen der Nachhaltigkeit – Die Sozialbilanz als Strategie für die Zukunft“ statt. Im Rahmen der Tagung wurde aufgezeigt, welche Gelegenheiten und Chancen die Erstellung einer Sozialbilanz für Unternehmen haben kann.

„Es ist auf jeden Fall sinnvoll, wenn sich Unternehmen die Frage stellen: Was ist meine Verantwortung? Was sind meine Werte? Was will ich außer Gewinnmaximierung eigentlich noch machen,“ sagt Resch, „dass wir bereits unterm Jahr Daten für die Bilanz erheben, hilft uns außerdem dabei, den richtigen Weg zu gehen. Wenn ich immer wieder einen Gratmesser habe, verstehe ich erst, ob ich es schaffe, meine Ziele zu erreichen, oder ob ich noch nachbessern muss.“

Im Mittelpunkt der Tagung stand außerdem die Agenda 2030, ein von der UNO verabschiedetes Tätigkeitsprogramm mit 17 Zielvorgaben für nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das menschenwürdige Arbeitsbedingungen für alle und Maßnahmen gegen den Klimawandel gewährleisten sollte.
Auch über das Alltagsgeschäft gibt die Sozialbilanz Auskunft. „Oasis“ etwa führt in der Sozialbilanz an, dass 93 Prozent des erwirtschafteten Mehrwerts in die Mitarbeiter fließt, aber auch, welche Menschen bei der Sozialgenossenschaft zurück in den Arbeitsmarkt finden. „Nachhaltigkeit das bedeutet für uns sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltig zu handeln. Deshalb wollen wir in Zukunft in unserer Sozialbilanz auch beim Thema Umwelt noch genauer hinschauen“, so Resch, „darauf, welche Auswirkungen unser Tun auf die Umwelt hat und was wir in diesem Zusammenhang machen könnten. Zu wissen, dass wir darüber in unserer Sozialbilanz berichten, soll uns ein zusätzlicher Ansporn sein.“
Quelle: coopbund ALDO ADIGE SÜDTIROL
Kommentar der GenoNachrichten. Genossenschaften sind nicht gleich Genossenschaften. Es gibt kein europäisches Genossenschaftsrecht, darum ist die Sozialbilanz in Deutschland derzeit keine Pflicht. Weitere GenoNachrichten zum Thema Genossenschaften in Südtirol gibt es hier.



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