Naturschutz Park Genossenschaft – Pleite im Märchenland ?

Pleite im Märchenland.  Eine Krähe hackt der anderen Krähe kein Auge aus. Meistens. Dass sich genossenschaftliche Prüfungsverbände öffentlich vorwerfen, die Interessen der Genossenschaftsmitglieder zu missachten und nach einer „Genossenschaftspolizei“ rufen, ist schon etwas Besonderes. Normalerweise werden unter Genossen Probleme unter den Teppich gekehrt, einfach ignoriert. Die Interessen der Mitglieder spielen seit 1934 sowieso keine Rolle mehr.

Das nennt sich nun genossenschaftlich organisierte Selbstverwaltung. Gegen das Genossenschaftsgesetz verstoßen die im gemeinsamen Lobbyausschuss vertretenen Verbände DGRV (Deutscher Genossenschaftsverband und Raiffeisenverband e.V.)  und der GdW (Gesamtverband der Wohnungswirtschaft) sehr regelmäßig und auf sehr hohem Niveau.

So wird z.B. der per Gesetz vorgegebene genossenschaftliche Förderauftrag der Genossenschaftsbanken vom Gesetzgeber in der Bundestagsdrucksache V/3500  genau beschrieben, aber  von den Verbänden und den angegliederten Forschungsinstituten sehr konsequent ignoriert und als Sozialromantik abgetan. Parallel dazu liebäugeln die GdW Genossenschaften mit dem Mietenspiegel, obwohl dieser für die Festlegung der Nutzungsgebühr einer Genossenschaftswohnung gar keine Rolle spielen darf. Sanktionen durch die Aufsichtsbehörden gibt es keine, die Verbrüderung der Genossenschaftsverbände mit der Politik hat Tradition. Ein weiteres Andenken aus 1934.

Als Aufhänger berichtet DIE ZEIT von einer eher zweifelhaften Werbeveranstaltung der humanimity Genossenschaft. Es geht offensichtlich darum Geld einzusammeln und mit dem Einsammeln von Geld wiederum Geld zu verdienen. Ein Konzept, das die Versicherungsvertreter dieser Welt täglich erfolgreich praktizieren. Die Mitgliedschaft in der Genossenschaft ist jedenfalls freiwillig und es werden auch im Rahmen des Anwerbeprozesses keine Ängste aufgebaut, sondern nur möglicherweise falsche Renditeerwartungen.

Ja, es geht bei der Story also vordergründig um den Missbrauch der Rechtsform Genossenschaft durch böse „Bauernfänger Genossenschaften“, die mit betrügerischen Absichten und Provisionsmodellen Produkte verkaufen, die es entweder gar nicht gibt oder in der beschriebenen Form und Umfang möglicherweise niemals geben wird.

Zur Anschauung  werden Fallbeispiel aus der jüngsten Vergangenheit wiederbelebt und untergemischt. Zum Beispiel der offensichtlich betrügerisch operierende Vorstand der Genossenschaft eventus eG.  Dieser Vorstand hat im großen Stil vorsätzlich und systematisch Rentner um ihre Ersparnisse betrogen. Für die Prüfung war ein  GdW-Regionalverband zuständig. Also ein Mitglied im Club der in der Oberliga spielenden genossenschaftlichen Spitzenverbände. Dieser Prüfungsverband wird mit keinem Wort erwähnt.

Das zweite Beispiel einer Betrügergenossenschaft, die GenoGen eG wurde dagegen durch den DEGP (Deutsch Europäischer Genossenschafts und Prüfungsverband) geprüft. Ein inzwischen bundesweit tätiger  Genossenschaftsverband, der in der Nachwendezeit gegründet wurde, um ostdeutschen Genossenschaften ein Sprachrohr und eine Heimat zu verschaffen. Dieser Prüfungsverband wird im DIE  ZEIT Beitrag  öffentlich und genüsslich vorgeführt.  Ein journalistisches Meisterwerk, dass nicht zurückschreckt über eine einigermaßen unprofessionell gestaltete Internetseite herzufallen.   Dem Genossenschaftsverband wird vorgeworfen, die Prüfung der GenoGen eG sei zu spät erfolgt.  Das stimmt, tatsächlich wurde die Prüfung – vom Vorstand – immer wieder verschleppt, indem dieser die Unterlagen nicht termingerecht bereitgestellte. Die Genossenschaft war pleite – die Mitglieder wurden betrogen. Eine eventus eG eben in klein.  Diese Dinge sind bedauerlich und für alle Betroffenen sehr ärgerlich. Geldanlagegeschäfte sind mit Risiken verbunden, auch in Genossenschaften.

Die nun daraus resultierende Schlussfolgerung des Genossenschaftsverband der Regionen e.V. nach einer “Genossenschaftspolizei” richtet sich dagegen sehr direkt und konkret gegen den unliebsamen Wettbewerbsverband DEGP.

Der DEGP ist ein Verband, der nicht zur ehrwürdigen Raiffeisengesellschaft gehört, also nicht in der  Premiumliga  spielt, sondern  zusammen mit der neuen coopgo Bewegung einen Aufbruch wagt.   Ein Verband, der sich um die Belange der Genossenschaftsmitglieder kümmert und sich für die Genossenschaftsmitglieder und den genossenschaftlichen Förderauftrag einsetzt, völlig neue Dimension der genossenschaftlichen Kooperation unterstützt und nebenbei ganz erfolgreich ist.  Der Marktanteil der Raiffeisenorganisation bei Genossenschaftsneugründungen liegt derzeit unter 50%.  Die coopgo Bewegung ist auf dem Vormarsch.

Aber es kommt noch schlimmer für die Raiffeisengenossen. Bei den bundesweit verordneten  Bankfusionen werden die Genossenschaftsmitglieder weder über die Alternativen zu einer Fusion noch über die Höhe und den Verbleib ihres Mitgliedervermögens informiert.

Auch hier vertrauen  gutgläubige  Genossenschaftsmitglieder den Worten  ihres Vorstands. Auch hier profitieren letztendlich nur die Vorstände durch überzogene Vergütungen und Pensionszusagen.

Belogen und betrogen werden die gutgläubigen, obrigkeitshörigen Genossenschaftsmitglieder der Volks- und Raiffeisenbanken, die ihre Genossenschaft auf Empfehlung ihres Vorstands selbst auflösen und ihr eigenes Genossenschaftsvermögen verschenken. Auch hier handelt es sich überwiegend um Senioren.

Greifen die Genossenschaftsverbände ein, wenn Fusionabstimmungen durch Blankovollmachten entschieden werden ? Wenn kritische Redner in der Generalverammlung von vorstandstreuen Genossenschaftsmitgliedern lautstark ausgebuht werden? Nein, die Fusionen werden von den Verbänden gesteuert und mehr oder weniger angeordnet.  Die Vorstände tanzen nach der Pfeife ihrer Genossenschaftsverbände.   Wer nicht mitspielt wird aussortiert. Die BaFin spielt mit,
das genossenschaftliche Führersystem lebt. Diese Aussagen werden u.a. durch das Institut für Genossenschaftswesen und Bankwirtschaft  bestätigt.

Die DGRV Genossenschaftsverbände steuern die komplette Übergabe des Genossenschaftskapitals, hier geht es aber um einen mittleren dreistelligen Milliardenbetrag und um das Ausnutzen von 18,5 Millionen gutgläubigen, überwiegend älteren, vorstandstreuen  Mitgliedern der Genossenschaftsbanken.

Die genossenschaftlichen Pflichtprüfungsverbände der DGRV-Organisation leisten hier regelmäßig Beihilfe zum systematischen Verstoß gegen das im Umwandlungsgesetz beschriebene Transparenzgebot. Die rechtlich selbstständigen Genossenschaften werden im Rahmen der Fusion mit staatlicher Unterstützung zur Auflösung gezwungen. Das jahrelang angesparte Millionenvermögen der Genossenschaftsglieder wird im Rahmen der Genossenschaftsauflösung verschenkt. Auch hier wird die Gutgläubigkeit der Genossenschaftsmitglieder brutal ausgenutzt.  

Pleite im Märchenland?  Nein,  im Gegenteil. Genossenschaftliche  Kapitalakkumulation ist angesagt. Das über Jahre angesammelte
Vermögen und die Rücklagen  der inzwischen gelöschten „Genossenschaften mit Bankgeschäft“  wurden nicht zur Mitgliederförderung verwendet  sondern sozialistisch umgelagert. 

Der Autor Gerald Wiegner ist Vorstand der bundesweit tätigen Interessengemeinschaft der Genossenschaftsmitglieder igenos e.V.  Der gemeinnützige Verein setzt sich für die Interessen der Genossenschaftsmitglieder – als Mitunternehmer – ein.   Gleichzeitig fördert igenos die Verbreitung, Umsetzung und Weiterentwicklung der genossenschaftlichen Idee. igenos e.V. kooperiert u.a. auch mit dem DEGP in Dessau, der als einziger deutscher Genossenschaftsverband die igenos Aktivitäten aktiv unterstützt und im Rahmen der gemeinsamen coopgo Aktivitäten begleitet. Mit  der Aktion WV 23.März richtet sich  igenos direkt an die Politik und fordert den bereits am 23 März 1889 Schutz der Genossenschaftsmitglieder vor Ihren Verbandsorganen ein.

 

 

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Gerd K. Schaumann
    16. Juni 2018 11:56

    Der Eindruck könnte entstehen, dass “Verbände” in der Lage wären oder ob dies überhaupt erforderlich ist, Entwicklungen im Bereich des Genossenschaftssektors zugunsten der Teilhaber zu verändern. Wer die Botschaft “Reglementierung” signalisiert, sollte wissen, dass – in der gesamten EU – neben Deutschland und Österreich – kein Land über “Pflicht-Prüfungsverbände” verfügt. Dort kommen genossenschaftliche Entwicklungen dennoch gut voran, besser sogar als in Deutschland, wie Statistiken sehr deutlich zeigen. Wer im Sektor “Selbstorganisation”, wozu der Genossenschaftssektor zählt, nach mehr Staats oder Verbändehandlungen ruft, hat das Grundprinzip der Selbstorganisation noch nicht wirklich verstanden. Der Genossenschaftssektor braucht weder eine “Genossenschafts-Poliizei”, noch mehr staatliche oder verbandliche Regulierung., Was er jedoch benötigt, ist mehr Selbstverantwortung der potenziellen und bereits vorhandenen Teilhaber. Schon der Begriff “Mitglieder” ist eigentlich irreführend, weil eher “entwertend”, für das, was (Wirtschafts-) Genossenschaft ausmacht: Menschen, die sich bewusst sind, dass “Teilhaber” keine “Zuschauer” sind, sondern Verantwortung für Ihr Handeln übernehmen sollten, um IHR Unternehmen, IHRE Genossenschaft mitzugestalten. Richtig ist, dass es jetzt mehr Aufklärung bedarf, kontraproduktiv und fast komisch wäre, Teilhaber quasi vor sich selbst zu “schützen”. Unstreitig ist, der Genossenschaftssektor ist im “Umbruch”, d.h. neue und bisher unbekannte Formen beginnen sich zu entwickeln. Das haben andere Sektoren ebenfalls erfahren. Teilhaber werden ihre eigenen “Interessen- oder Aufklärungsvereinigungen” haben, ja haben müssen, denn das ist nicht die Aufgabe der Verbände, deren Mitglieder die Genossenschaften sind. Das eigentliche Thema jedoch, deutet sich bereits “zart” an und spiegelt einen Teil der Probleme bereits wider: Wollen wir den Genossenschaftssektor wirklich aufwachsen lassen und zu einer echten “Kooperations-Option” für Menschen entwickeln, die aus dem “Konkurrenz-Spiel” aussteigen wollen, müssen wir auch anschauen, wie der Wachstum von Genossenschaften finanziert werden soll. Die Binsenweisheit, die leichtfertig verdrängt wird lautet dann: Wie soll der “Kapitalaufbau” z.B. eines mittelständischen Unternehmens als Genossenschaft geschehen? Die Alternativen sind klar: Mit Eigenkapital oder mit Fremdkapital? Eine andere Form scheint es nicht zu geben. Versuchen Sie bitte einmal der Spur nachzugehen, wenn eine Genossenschaft mit einer Bank verhandelt, die “Sicherheiten” oder “Bürgschaften” fordert. Und wer sollte “bürgen”? Der Vorstand, dem die Genossenschaft nicht gehören kann? Es gibt viele Fragen, die bisher einfach – leichtfertig – verdrängt werden. Da scheint es einfacher zu sein, sich mit den “Ausreißern” zu befassen und nach “Scheinlösungen” zu suchen. Es geht eigentlich darum, sich jetzt das Thema “Kapitalisierung” von aufwachsenden Genossenschaften wirklich sach- und fachgerecht anzusehen und Antworten dazu zu finden. Auch ein spezielles staatliches Förderprogramm für Genossenschafts-Finanzierungen könnte viel Sinn machen. Aber das Wichtigste ist wohl, dass Menschen nachvollziehen, dass eine “Teihaberschaft” an einer Genossenschaft erst stattfinden sollte, wenn man sich dazu hat beraten lassen. Auch in diesem Sinne würden spezielle “Teilhaber-Interessen-Verbände” wichtig sein, denn es wäre noch “irreführender”, wenn man “Mitglieder” statt sie zu “Teilhabern” werden zu lassen, sie als “Verbraucher” definiert, um einen Status zu schützen, den es überhaupt nicht gibt. “Verbraucher” sind Menschen, in einer Geschäftsbeziehung mit Anbietern stehen, sind also “Kunden”. Wer jedoch Genossenschafts-Teilhaberschaft” auf “Kunden-Niveau” reduziert, der könnte es in der Tat schaffen, die Entwicklung von Genossenschaften in Deutschland vollends “einzufrosten”. Es läuft irgendwie etwas durcheinander im “Raiffeisen-Land”. Aber wie bei allen Neuentwicklungen gilt auch hier der Grundsatz: Jeder Wandel hat seine Eigenheiten und nach und nach “sortiert” sich Aufgeregtheit in Normalität, aber auf einer höheren Stufe. Nach 200 Jahren “Betulichkeit”, könnte sich jetzt eine Epoche “kooperativer Faszination” entfalten. Daran mitzuwirken und mitzugestalten, bedarf es jetzt solcher Menschen, die ahnen und wissen, dass “Teilhaber” von Genossenschaften, zugleich Mitgestalter der Genossenschaften sein müssen. Aber dazu bedarf es der Aus- und Wierbildung dieser Teilhaber. Auch das ist weniger Aufgabe der Genossenschafts- oder Prüfungsverbände. Dies ist Aufgabe von speziellen Interessenvereinigungen. Und wenn “Der Staat” wirklich dazu einen Beitrag leisten wollte, könnte er z.B. mittels eines “Förderprogramm” dazu diese “Qualifizierungen” fördern. Es reicht wahrscheinlich nicht aus, dass Parteien sich gern als “Genossenschafts-Partner” definieren. Sie haben jetzt die Chance, zu beweisen, dass sie wirklich “Selbstorganisation” wollen und Genossenschaftsteilhaber nicht erst “Asylanträge” stellen müssen, damit Geld für so etwas Sinnvolles zur Verfügung gestellt wird. Der Worte sind genug geredet, jetzt bedarf es der Taten. Wer will, dass Deutschland wieder führend in Europa in Sachen Genossenschaften wird, sollte jetzt damit beginnen. Nicht “Reglementierungen” benötig es, sondern konstruktiver und wahrnehmbarer Beförderung einer wirklich guten Idee..

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