Dresdener Wohnungsgenossen widersetzen sich verfehlter Stadtplanung

Dresden, 17. Dezember 2018 (geno). Mitglieder der Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) Dresden setzen sich zur Wehr gegen widersinnige Neubaupläne in ihrer unmittelbaren Umgebung. So sammelten sie 197 Unterschriften in ihrer Genossenschaft, um den Bau eines 16geschossigen Hochhauses zu verhindern. Am Elbufer will das neue kommunale Wohnungsunternehmen “Wohnen in Dresden” (WiD) einen weiteren 16-Geschosser errichten. Der Neubau soll am Standort eines stillgelegten Kindergartens entstehen. Auf dem vorgesehenen Bau-Areal gibt es bereits drei 16geschossige Wohngebäude. 132 Sozialwohnungen sollen in dem geplanten Hochhaus und einem ergänzenden Siebengeschosser Platz finden.

Zu der umstrittenen Lage wird das langjährige Genossenschaftsmitglied Doris Müller in einer Dresdener Lokalzeitung zitiert: “Wir haben nichts gegen den Bau von Sozialwohnungen an dieser Stelle. Aber in diesen Ausmaßen lehnen wir ihn ab.” Sie bewohnt einen der benachbarten 16-Geschosser, die die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt in der 70er Jahren in Elbnähe errichtet hatte. Von den jetzigen Neubauplänen erfuhr sie erst aus der Zeitung. Auch der Vorstand der WGJ Dresden wusste von nichts, hielt sich jedoch aus der daraus resultierenden Auseinandersetzung mit den Behörden heraus und überließ nicht nur die Initiative den Mitgliedern, sondern kritisierte sogar ausdrücklich von der Genossenschaftsbasis angekurbelte Mitglieder-Umfragen. Dennoch sammelte Müller mit anderen Wohnungsgenossen weiter Unterschriften für eine Petition, die letztlich im Stadtparlament abgegeben wurde.

Peter Jäschke, der seit vier Jahrzehnten dort lebt und  einer der 197 Unterzeichner ist, wies darauf hin, dass bereits in der DDR ein weiteres Hochhaus geplant war. Damals hätten Analysen ergeben, dass durch den Bau die Frischluftversorgung beeinträchtigt werden würde. Das Vorhaben wurde deshalb abgeblasen. Im heutigen Stadtplanungsamt von Dresden sind die damaligen Bedenken nicht bekannt. Die Behörde beharrte weiter auf dem Projekt. Unter Verweis auf den Verkauf der städtischen Wohnungsbaugesellschaft vor einigen Jahren sagte Peter Jeschke: “Man hat in der Vergangenheit so viele Fehler in der Stadtplanung gemacht. Und wir sollen es jetzt ausbaden.” Sogar der Abriss der bereits existenten Punkt-Hochhäuser und des Hotels am Terrassenufer war schon vorgesehen gewesen. Dazu habe es eine richtige Kampagne gegeben.

Inzwischen unterstützt ein Dresdener Stadtrat die Initiative der Wohnungsgenossen. Dem Lokalpolitiker ist völlig unverständlich, “warum die WiD im 21. Jahrhundert die Sünden des sozialistischen Wohnungsbaus der 70er Jahre wiederholt”. Nunmehr wurde ein Kompromiss erzielt. Statt 16 Geschosse darf das neue Gebäude nicht mehr als 22 Meter hoch sein, damit ein massives Verschatten der  Genossenschaftswohnungen vermieden wird. ++ (wg/mgn/17.12.18 – 243)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 006027

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2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Jede Medaille hat zwei Seiten.
    24. März 2019 14:22

    Wenn genossenschaftliche Altmieter mit unverbauten 180°-Panorama-Blick auf die Dresdner Stadtsilhouette mit Kaltmieten von 5 € pro qm sich plötzlich um Frischluftschneisen sorgen, dann ist immer auch mit sog. NIMBY(*)-Reaktionen zu rechnen.

    Bezieher von sozialen Transfer-Leistungen haben bei der Neuvermietung von genossenschaftlichen Wohnraum als Interessenten keinerlei Chance auf eine Wohnung. Der Trend zur sozialen Segregation wird durch durch das alleine Wohnungsvergabe-Monopol durch die eG-Vorstände noch beschleunigt.

    Stadtpolitisch wünschenswerte soziale Durchmischung prallt auf Gated-Community-Denken von langjährigen Hausgemeinschaften.

    Die Johannstadt polarisiert.

    (*) NIMBY = Not In My BackYard -> zu deutsch: Bauen gerne, aber bitte nicht in meiner direkten Nachbarschaft.

  • Max Mustermann
    23. März 2019 23:54

    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt… Auch wenn ein neues Gebäude”nur” 22m hoch sein darf, werden die Wohnungen in den unteren Etagen des Nachbargebäudes verschattet. Das betrifft allerdings nicht die Mieter der 15. Etage, die mit ihrer Aktion ihre freie Sicht auf das Stadtpanorama erhalten haben, auch wenn bezahlbare Wohnungen in Dresden fehlen.

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