Bullay, den 17.08.2026.(igenos) Dass die Rechtsform der Genossenschaft in Deutschland offensichtlich nur eine Randerscheinung ist, wurde in den GenoNachrichten wiederholt betont. Wir verweisen in diesem Zusammenhang auf unser Beitrag, der sich mit einer aktuellen Petition zur Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft für sogenannte Kleingenossenschaften befasst.
Ja, in Deutschland sind Genossenschaftsgründungen mit hohen Hürden und Kosten verbunden. Es besteht ein Nachholbedarf. Reden wir darüber!
Die von igenos entwickelte Geno-Ratio ermöglicht erstmals einen direkten Ländervergleich und gibt somit Auskunft über die gesellschaftliche Bedeutung, Verbreitung und Akzeptanz der Rechtsform Genossenschaft in einem Land oder in einer Region.
Zwischen den nordeuropäischen Genossenschaften, aber auch zu den italienischen, französischen und spanischen Genossenschaften bestehen erhebliche historische und rechtliche Unterschiede. Alle diese Faktoren spiegeln sich in der gesellschaftlichen Akzeptanz der Rechtsform wider. Es besteht akuter Handlungsbedarf.
Wie die Geno-Ratio belegt, auch in Deutschland. Gemeint ist hier auch die Struktur der Genossenschaftsorganisation und deren kontrovers diskutierter „top-down“ Führungsstil. Genossenschaften funktionieren aber anders.

Aus der Tabelle (**) wird deutlich, dass Norwegen und Finnland sowie Italien und die Schweiz die höchste Quote an Genossenschaften pro 1.000 Einwohner aufweisen. Es folgen Schweden, Spanien und die Türkei. Diese Zahlen untermauern die Beobachtung, dass Regionen und Länder ohne eine historisch typische Industriegeschichte kooperative Wirtschaftsformen stärker akzeptieren als klassische Industrienationen. Hierfür spricht auch die geringe Bedeutung der Co-operativen in Großbritannien (UK 68,7 Mio Einwohner), die 2025 mit 7.000 angegeben wird. Das Mutterland der industriellen Revolution hat somit eine Geno-Ratio von 0,102 und liegt nur knapp vor Deutschland.
Aus soziologischer Perspektive lässt sich feststellen, dass die industrielle Konditionierung sowie die soziale Mobilität, als Nebenprodukt der Industrialisierung, den Wettbewerbsgedanken prägen. Dieses von einer Individualisierung geprägte Wertesystem stellt einen Hemmschuh für eine prosperierende Genossenschaftsbewegung dar.
Auffällig ist auch, dass Länder mit einem hochkomplexen genossenschaftlichen Verbandswesen wie Österreich und Deutschland im Geno-Ratio Vergleich relativ schlecht abschneiden. (**) Die angebenden Zahlen stimmen aus dem Jahr 2020 / Quelle ICA )
igenos Deutschland e.V. Interessenvertretung der Genossenschaftsmitglieder AG Europa



