Nationale Strategie für Genossenschaften angekündigt

Berlin, 8./9. Juli 2022 (geno). Die Bundesregierung hat die Ausarbeitung einer Nationalen Strategie für Genossenschaften angekündigt. Das tat am Freitag in Berlin der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klima, Sven Giegold, bei der Jahresversammlung des Bundesvereins zur Förderung des Genossenschaftsgedankens. Er bat um das Einreichen von Vorschlägen und inhaltlich fundierten Erörterungen, um Genossenschaften in Deutschland nachhaltig Aufwind zu verschaffen.

igenos, die Interessenvertretung äußert sich wie folgt: In Deutschland waren im Jahr 2021 ca. 8.000 Genossenschaften registriert. Davon waren 5.142 Betriebe dem DGRV-Umfeld zuzurechnen. Nach Erhebungen von GenoLeaks beschäftigen die vier genossenschaftlichen DGRV-Prüfungsverbände 2788 Mitarbeiter um ihre 4927 Mitgliedsgenossenschaften zu beraten, zu betreuen und zu überwachen. Im Mittelwert finanzieren also rein rechnerisch jeweils zwei Genossenschaften einen Verbandsmitarbeiter.

In fast allen anderen Ländern weltweit sind Genossenschaften eine „Buttom up“-Bewegung. Das bedeutet die Genossenschaften leben von der Partizipation und Mitwirkung der Mitglieder und werden von ihren Mitgliedern gesteuert. Obwohl sich in Deutschland zwei Bundesministerien, sowie die BaFin, die APAS, die WP-Kammer und die Landesministerien für Wirtschaft mit dem genossenschaftlichen Verbandswesen beschäftigen, werden Ansätze, die Mitglieder der Genossenschaften zu stärken, nicht weiterverfolgt.

Kennzeichnend für das deutsche Genossenschaftswesen sind die Zwangsmitgliedschaft in einem Genossenschaftsverband, das Prüfungsmonopol, die Pflichtprüfung und der vorherrschende hierarchische „Top down“ Führungsstil. Im Vordergrund stehen nicht die Genossenschaftsmitglieder, sondern der Selbsterhalt der genossenschaftlichen Verbandsstrukturen und deren zum Teil überholten Verbandsziele.

Besonders deutlich wird das in der vom Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) vorgegebenen anachronistische Fusionspolitik. Es werden immer noch die Genossenschaftsorgane, häufig gegen den Wunsch und die Interessen der Mitglieder, von ihren Prüfungsverbänden zur Fusionen überredet oder gedrängt. Woraus sich ein weiteres Problemfeld ergibt, die Schaffung von Großgenossenschaften mit häufig mehr als 100.000 Mitgliedern. Diese sind organisatorisch aber gar nicht mehr in der Lage, die Genossenschaftsidee zu leben und ein genossenschaftliches Bewusstsein zu fördern. Es ist also dringend etwas zu tun. Wo Genossenschaft drauf steht muß auch Genossenschaft drin sein. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Rechtsform Genossenschaft vorsätzlich missbraucht wird.
(Quelle: CoopGo)

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