Wien ist Europas Vorreiter des genossenschaftlichen Wohnens

Wien, 23. Mai 2022 (geno). Die österreichische Bundeshauptstadt Wien ist Europas Paradies für preiswertes kommunales und genossenschaftliches Wohnen. Es ist ein Werturteil, das sich Österreichs Bauverantwortliche über ein Jahrhundert hinweg kontinuierlich erarbeitet haben. Das einmalige Kompliment beruht auf Entscheidungen aus dem Jahr 1919.

Das glänzende Vorbild in anderen europäschen Großstädten zu imitieren oder zu kopieren, dürfte allerdings nach Meinung des Stadtökonomen Koen Smet von der Wirtschaftsuniversität Wien schwerfallen. „Die Situation in Wien ist in einem historischen Kontext gewachsen. Insofern ist nicht alles einfach eins zu eins übertragbar“. Das Beispiel Wien zeige jedoch: „Die Wiener Gemeindewohnungen sind etwas Besonderes, aber auch andere Städte können Wohnungen durch die öffentliche Hand bereitstellen.“

Interessante Hintergründe liefert der Wiener Historiker Florian Wenninger. Wien sei 1919 die erste Millionenstadt der Welt gewesen, die von einer sozialdemokratischen Verwaltung geführt wurde. Wohnbauprogramme hätten hoch im Kurs gestanden. Mehr als 60.000 Wohnungen entstanden allein zwischen 1920 und 1934, bevor die Sozialdemokratie in zwei aufeinander folgenden Diktaturen verboten und die Bautätigkeit eingestellt wurde. Nach Auffassung von Wenninger ruhte die Wohnpolitik im Roten Wien auf drei Säulen: „Erstens der Fortschreibung der während des Ersten Weltkriegs eingefrorenen Mieten – der sogenannte Friedenszins. Zweitens ein eigener strikter Mieterschutz, der etwa Kündigungen unterband. Und drittens eine massive Bautätigkeit.“ Angesichts des seinerzeitigen Stillstands im Wohnungsbau sei damals die Kommune einfach als Bauträger eingesprungen. „Das war damals etwas ganz Neues. Die Mittel für diese großangelegten Wohnbauprogramme kamen aus Steuern, die gezielt Reiche ins Visier nahmen.“ ++ (gw/mgn/23.05.22 – 077)

www.genonachrichten.de, e-mail: mg@genonachrichten.de, Redaktion: Matthias Günkel (mgn), tel. 0176 / 26 00 60 27

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