Genossenschaft neu definiert

Genossenschaften sind nicht gleich Genossenschaften. Das gilt auch für Genossenschaftsgründungen. Diese erfolgen derzeit aus sehr unterschiedlichen Überlegungen. Es gibt Genossenschaften, die werden gegründet um die „Welt bzw. die Lebens- oder Arbeitsbedingungen zu verbessern”. Es handelt  sich um Sozial- oder Bürgergenossenschaften in denen Bürger Dienstleistungen für Bürger erbringen. Wohnbaugenossenschaften in denen Menschen ihre Wohnsituation verbessern und absichern möchten.  Dann gibt es Genossenschaften,  die auf die digitale Plattform Ökonomie setzen und digitale Wirtschaftsmodelle genossenschaftlich nachbauen. Schon immer gab es genossenschaftliche start-up Unternehmen, sogenannte „Geno-Starter“. Gemeint sind häufig Team Gründungen in der Rechtsform Genossenschaft mit dem Ziel den wirtschaftlichen Erfolg einer Gruppe durch einen Gemeinschaftsbetrieb zu verbessern, denn  die Rechtsform Genossenschaft ist ein wirksamer Schutz gegen feindliche Übernahmen. 

Soziologisch  können wir bei den  Geno-Starter von einer Fortsetzung bzw. „Stabilisierung der Konkurrenz-Gesellschaft“ mit anderen Mitteln ausgehen. Dieser Ansatz hatte sich vor ca. 250  Jahren durchaus bewährt und ist nach wie vor wichtig und richtig.

Der Politiker und Sozialreformer Schulze Delitzsch hatte damals das Genossenschaftsgesetz auf den Weg gebracht um das durch sozialen Unfrieden gekennzeichnete kapitalistische Wirtschaftssystem im Zeitalter der beginnenden Industrialisierung zu stabilisieren. Das machte Schulze Delitzsch durchaus gründlich, denn er war auch für  die „Sozialistengesetze gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“  mitverantwortlich.
Das heute überwiegend von Raiffeisen und Schulze Delitzsch geprägte deutsche Genossenschaftswesen und die  damit verbunden Bürokratie und Staatkontrolle ist historisch gesehen ein Beispiel für Genossenschaftsnostalgie und somit ein Auslaufmodell. 

Die alten Genossenschaften und Verbände sind in einer Zeit des Umbruchs entstanden. Die endgültigen Ablösung des Feudalismus durch die einsetzende Industrialisierung begünstigten das Genossenschaftswesen und das Genossenschaftsgesetz schaffte den fruchtbaren Nährboden für eine überdimensionierte Selbstverwaltungsorganisation, die von einem staatlichen Prüfungsmonopol lebt und die ursprüngliche Aufgabe, den Schutz der Genossen vor ihren Verwaltungsorganen grob vernachlässigte.  

Die digitale Revolution ist  vergleichbar mit industriellen Revolution zu Zeiten von Raiffeisen und Schulze Delitzsch. Allerdings geht heute alles viel schneller und spielt sich, bedingt durch die internationale Arbeitsteilung,  auch zeitgleich und global ab.

Die neu gegründeten Kooperativen setzen auf Transparenz, Selbstorganisation, Demokratie und Mitbestimmung, Eigenregie und internationale Vernetzung. Ein Beispiel dafür sind die Platform Kooperativen.  Auch die sogenannte Staatsaufsicht wird nicht mehr benötigt, denn die soziale Kontrolle ist deutlich effektiver. Aus diesem Grund entwickeln die CoopGo Genossenschaft ihren eigenen Standards. Standards, die sich an dem Weltverband der Genossenschaften orientieren. 

Darum verdient die Genossenschaftsidee einen Neuanfang. 

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