Genossenschaften: Pflichtprüfung ohne Mehrwert – Erfahrungsbericht

Genossenschaften und deren Anliegen sollten im Mittelpunkt der Verbändearbeit stehen. Nennen wir das einfach „MEHRWERT-Bezug“. Dazu würden Hilfestellungen beim operativen Geschäft, Umgang auf Augenhöhe und die Verpflichtung auf gemeinsame Ziele, wie Transparenz, Demokratie und Mitgliederförderung gehören. Doch die Verbände interessiert scheinbar mehr das gute Verhältnis zum Staat. So betreiben die Verbände vorrangig Verbandspolitik, verstehen es, vor allem ihre Einnahmequellen zu sichern und vielleicht darum werden in den Verbänden auch schon mal Versorgungsposten für ausrangierte Politiker eingerichtet. Das Ergebnis sind höhere Kosten, mehr Bürokratie und weniger Mehrwert für die Verbandsmitglieder. Aber die Diskussion um die Aufhebung der Zwangsmitgliedschaft in den Prüfungsverbänden keimt. Immer klarer wird gefordert, dass Mittelpunkt jeder Revision durch den Verband der „Mehrwert“ für die Genossenschaften und deren Mitglieder stehen muss, wie es in der EU Usus ist. Eine Verweigerung dieses Veränderungsprozesses könnte die EU-Harmonisierung forcieren und vielleicht kippt das Verbändemonopol dann eher als erwartet!   Der nachstehende Beitrag wurde uns von der genossenchaftlichen Basis zur Verfügung gestellt. Als Ergänzung empfehlen wir auch die von GenoLeaks aufbereiteten Daten zur Personalstruktur der Prüfungsverbände.

Erfahrungen mit einer Verbandsprüfung: Ein Zustandsbericht

Zur Kasse bitte: Alle Jahre wieder fallen die Verbandsprüfer bei uns ein. Es entsteht der Eindruck, dass sich die Höhe unserer Bilanzsumme auf die Verweildauer der Prüfer auswirkt.  Gerade hat uns unser Prüfungsverband benachrichtigt, dass die nächste Prüfung droht. Wir vermochten nie zu erkennen, worin der Mehrwert dieser Prüfung für Genossenschaften besteht. Warum man Zwangsmitglied in einem Prüfungsverband sein muss, dort Mitgliedsbeiträge zahlt und dann noch für eine Pflichtprüfung recht viel Geld für eine Leistung bezahlen soll, für die es keine erkennbare Gegenleistung gibt. Unsere Verbandsprüfer haben sich bei der letzten Prüfung mit Sachen beschäftigt, die entweder unser Steuerberater schon bearbeitet hatte oder wir selbst viel besser wussten. Handelt es sich um eine Strafsteuer für Genossenschaften, die vielleicht dazu führen soll, dass sich diese Rechtsform nicht ungehemmt ausbreitet? Weltweit wird ja bereits jeder 10. Arbeitsplatz von einer Genossenschaft gestellt. Das grenzt doch an Sozialismus, oder etwa nicht? Gut, das war jetzt Ironie, aber man fragt sich manchmal, ob die Verbände es zu ihrem Geschäftsziel gemacht haben, Genossenschaften abzuschrecken oder zu verhindern.

Besonders erfreulich sind die Formalien, ohne die eine Pflichtprüfung nicht auskommt. Thema: Protokolle der Sitzungen von Aufsichtsrat und Vorständen. Bei uns fehlen diese. Und warum gibt es keine Protokolle? Ganz einfach. Unsere Genossenschaft veranstaltet Videokonferenzen, und diese werden zu Dokumentationszwecken aufgezeichnet, ohne zusätzlich in Papier gegossen zu werden. Unsere Mitgliederliste haben wir als Blockchain angelegt – diese haben wir aber in weiser Voraussicht noch einmal ausgedruckt. Dem technisch zukunftsgerichteten Genossen kommen bei solchen Fragen durchaus sarkastische Gedanken hoch, in der Art, wenn es gewünscht wird, schaffen wir gerne wieder Karteikarten an und richten zudem ein kleines Raiffeisen Museum ein. Andere Formalien werden dagegen geopfert: Die Überprüfung des genossenschaftlichen Förderauftrags oder dessen besondere Würdigung fand nicht statt, obwohl die Pflicht des Prüfungsverbands im neuen § 58 Absatz 1 Satz 3 ganz klar vorschreibt, im Prüfungsbericht zur Einhaltung des Förderzwecks Stellung zu nehmen. Und als wir der PrüferIn für uns wichtige förderwirtschaftliche und zwischenmenschliche Fragen stellten, wurden wir vertröstet, obwohl auch diese gemeinsame Besprechung vorgeschrieben ist.

Manchmal entsteht der Eindruck, es gehe den Beschäftigten in einem Prüfungsverband nur darum, einer auferlegten „Pflicht durch den Staat“ nachzukommen. Vielleicht fühlen sich die Kontrolleure auch deshalb so unendlich wichtig.  Wir hatten z.B. erwartet, dass der Prüfer uns hilft, als fachkundiger Dritter einen seit einiger Zeit bestehenden fachlichen Streit zwischen einigen Genossenschaftsmitgliedern und dem Aufsichtsrat zu klären. Sein recht lakonischer Hinweis: „Ich bin Prüfer und kein Psychologe“. Hier Hilfestellungen zu leisten, das Ehrenamt des Aufsichtsrates zu würdigen bzw. sich für seine Arbeit zu interessieren und sich für die zu prüfende Genossenschaft über das Lesen von Steuerberaterunterlagen hinaus zu engagieren, würde einen echten Mehrwert-Bezug darstellen.

Was wäre, wenn wir uns einfach weigerten, uns auf diese Art prüfen zu lassen und mit anderen Genossenschaften eigene Prüfungsregeln aufstellen würden?

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