Raiffeisenbank Plankstetten: Neuer Sonderbeauftragter – BVR prüft Kreditbuch und Risikomanagement

Bullay,den 30.09.2026. Bei der Raiffeisenbank Plankstetten AG beginnt am 1. Oktober 2026 eine neue Phase. Die BaFin hat Marcus W. Leiendecker zum Sonderbeauftragten für den Vorstand bestellt. Er folgt auf Odo Steinmann, der diese Aufgabe erst seit Juli wahrgenommen hatte und bereits Mitte September angekündigt hatte, sein Amt aus gesundheitlichen Gründen wieder aufzugeben. Leiendecker verfügt über mehr als 30 Jahre Bankerfahrung und war zuletzt Vorstand der Volksbank Westmünsterland eG. Zuvor hatte er die Volksbank Südmünsterland-Mitte geführt und diese 2024 in die Fusion mit der Volksbank Westmünsterland begleitet. Handelsblatt

Bemerkenswert ist, welche Aufgabe der neue Sonderbeauftragte selbst für die Zukunft beschreibt. Die Bank soll nach seiner Aussage langfristig wieder einen von den Aktionären gewählten Aufsichtsrat und einen von diesem Aufsichtsrat bestellten regulären Vorstand erhalten. Zunächst müssten hierfür jedoch die Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu zählt Leiendecker ausdrücklich auch die Wiederherstellung einer den regulatorischen Vorgaben entsprechenden Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden. Damit wird die derzeitige Führung durch Sonderbeauftragte jedenfalls öffentlich als Übergangslösung bezeichnet. DER PLATOW Brief

Gleichzeitig rückt der BVR immer stärker in den Mittelpunkt. Nach dem Platow Brief wird die Raiffeisenbank Plankstetten inzwischen als Präventionsbank eingestuft. Eine Sonderprüfung soll das Kredit- und Anlageportfolio sowie das Risikomanagement untersuchen. Dabei soll nach der Berichterstattung auch geprüft werden, ob die bisherigen Jahresabschlüsse die tatsächliche Risikosituation der Bank angemessen abgebildet haben. Dies ist ausdrücklich noch kein Befund, dass frühere Abschlüsse fehlerhaft gewesen seien. Gerade diese Frage soll offenbar erst untersucht werden. Die Bank führt ihren Geschäftsbetrieb nach eigenen Angaben uneingeschränkt fort und bleibt der Sicherungseinrichtung des BVR angeschlossen. DER PLATOW Brief

Damit erhält der Fall eine neue Dimension. Bislang standen vor allem die BaFin, die Abberufung der früheren Vorstände und die Einsetzung der Sonderbeauftragten im Mittelpunkt. Nun geht es zusätzlich um die Frage, was eine neue Prüfung des genossenschaftlichen Sicherungsverbundes über die Risikolage der Bank ergeben wird. Sollte die Sonderprüfung relevante Beanstandungen feststellen, wäre anschließend auch zu fragen, seit wann diese Risiken bestanden und wie sie sich zu früheren Abschluss- und sonstigen Prüfungen verhalten.

Gerade für den genossenschaftlichen Prüfungs- und Sicherungsverbund ist dies von besonderem Interesse. Wenn heute Kreditportfolio, Anlagen und Risikomanagement einer Bank einer besonderen Überprüfung unterzogen werden, stellt sich zwangsläufig die Frage, was in den vorangegangenen Prüfungen festgestellt wurde und ob mögliche Risiken bereits damals erkennbar waren. Umgekehrt wäre es ebenso bedeutsam, wenn die Sonderprüfung keine gravierenden wirtschaftlichen Probleme bestätigen sollte.

Interessant ist schließlich auch der berufliche Hintergrund des neuen Sonderbeauftragten. Leiendecker hat selbst erst vor wenigen Jahren eine Volksbank in eine Fusion geführt. Daraus lässt sich selbstverständlich nicht ableiten, dass auch für Plankstetten bereits eine Verschmelzung oder sonstige strukturelle Lösung vorgesehen wäre. Einen belastbaren öffentlichen Hinweis auf einen solchen Plan gibt es derzeit nicht. Gleichwohl bleibt die Frage nach der zukünftigen Struktur der Bank aktuell – gerade nachdem sie in die Prävention des BVR aufgenommen worden sein soll und nun ein erfahrener Fusionsvorstand die Leitung als Sonderbeauftragter übernimmt. DER PLATOW Brief

Für die Aktionäre dürfte deshalb entscheidend sein, ob die angekündigte Rückkehr zu regulären Organen tatsächlich zeitnah vorbereitet wird. Noch immer nimmt Sandra Michelfelder als Sonderbeauftragte die Aufgaben des Aufsichtsrats wahr. Ein regulär gewählter Aufsichtsrat, der seinerseits einen Vorstand bestellt, besteht derzeit nicht. DER PLATOW Brief

Die weitere Entwicklung hängt damit wesentlich von zwei Fragen ab: Was ergibt die BVR-Sonderprüfung tatsächlich über die wirtschaftliche und organisatorische Situation der Bank – und führt der eingeschlagene Weg zurück zu einer selbstständigen, von ihren Aktionären kontrollierten Raiffeisenbank Plankstetten oder am Ende zu einer weitergehenden strukturellen Neuordnung?

Für Letzteres gibt es derzeit keinen Beleg. Gerade deshalb wird entscheidend sein, dass BaFin, BVR und die Verantwortlichen der Bank die nächsten Schritte transparent machen.

Quellen: Handelsblatt, 30.09.2026; DER PLATOW Brief, 30.09.2026; Mittelbayerische Zeitung, 30.09.2026. Handelsblatt

Raiffeisenbank Plankstetten
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