BRAWO Group sollten neue Geschäftsfelder das klassische Bankgeschäft ergänzen.

Braunschweig, den 20.08.2026. Die immer wieder gerne zitierte „Effenberg Bank“  hat  der genossenschaftlichen Bankengruppe deutlich gezeigt wo es lang geht.  Wer aus der Reihe tanzt,  oder vermeintlich vom Kurs abkommt,  wird öffentlich vorgeführt.

Die BRAWO Group zeigt deutliche Parallelen zur Diversifizierungsstrategie der „Schmalkaldener Genossenschaftsbank“,  die sich auch  immer mehr vom klassischen Bankgeschäft entfernt hat, aber  immerhin zeitweise  zu den führenden Grünstromanbieter in Ostdeutschland zählten.

In der BRAWO Group wurde das Geschäftsfeld Real Estate  im Jahresbericht sogar als eine der fünf tragenden Säulen der BRAWO GROUP bezeichnet.  Ziel sei es, sich als führender Akteur im deutschen Immobilienmarkt zu etablieren. Die Gruppe decke mit rund 230 Mitarbeitenden an zehn Standorten die gesamte Wertschöpfungskette der Immobilie ab. Auch im Bereich Corporate Investments zeigt der Bericht die Dimension: Dort ist von einem Portfolio von über 60 Beteiligungsnehmern mit rund 3.000 Beschäftigten und einem Volumen von 400 Millionen Euro die Rede.

Das ist keine kleine, überschaubare Regionalbank mehr. Es handelt sich um eine komplexe Unternehmensgruppe in der Rechtsform einer Genossenschaft.

Gerade deshalb lohnt der Blick in die Abschlüsse der Vorjahre. Dort finden sich keine offenen Krisenerklärungen. Aber es finden sich zahlreiche Hinweise, die jedenfalls Fragen aufwerfen.

Bereits im Konzernabschluss 2022 wurde ausgeführt, dass die Planwerte nicht erreicht wurden. Als Ursachen wurden höhere Verwaltungsaufwendungen, das Bewertungsergebnis bei Wertpapieren und geringere Überschüsse bei Gesellschaften des Geschäftsfelds Corporate Investments genannt. Zugleich wurde bereits damals weiter in Beteiligungen und Immobilien investiert.

Im Jahresabschluss 2023 wurde der Zielwert für das Betriebsergebnis nach Bewertung auf Gruppenebene deutlich verfehlt. Statt der Erwartung von 1,5 Prozent wurde nur ein vorläufiges Ergebnis von 0,6 Prozent erreicht. Als Ursachen wurden höhere Bewertungsaufwendungen sowie geringere Überschüsse bei Gesellschaften der Geschäftsfelder BRAWO Real Estate und Corporate Investments genannt. Gleichzeitig gingen die Kundeneinlagen um 2,4 Prozent zurück, während die Bankenrefinanzierungen um 12,4 Prozent stiegen.

Auch 2024 setzte sich dieses Bild fort. Das vorläufige Betriebsergebnis nach Bewertung auf Gruppenebene lag bei 0,60 Prozent und damit unter der Erwartung von 1,1 Prozent. Als Ursache nennt der Bericht höhere Bewertungsaufwendungen und geringere Überschüsse vor allem im Geschäftsfeld BRAWO Real Estate. Zugleich wuchsen die Beteiligungen und Investitionen weiter: insgesamt auf 1,532 Milliarden Euro, davon 417,362 Millionen Euro für Beteiligungen, Geschäftsguthaben und Anteile an verbundenen Unternehmen sowie 1,114 Milliarden Euro für immaterielle Anlagewerte und Sachanlagen.

Diese Zahlen beweisen für sich genommen keine Pflichtverletzung. Sie zeigen aber, dass zentrale Risikofelder nicht erst 2026 entstanden sind. Real Estate, Corporate Investments, Bewertungsaufwand, verfehlte Planwerte, rückläufige Kundeneinlagen, steigende Bankenrefinanzierung und wachsende Beteiligungsstrukturen waren bereits vorher sichtbar.

Genau hier beginnt die eigentliche Prüfungsfrage.

Volksbank BRAWO
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