Harz.Coop mehr als eine Genossenschaft

Wie attraktiv Genossenschaften in letzter Zeit geworden sind, macht die Neugründung einer Regionalgenossenschaft am 19. April 2021 im Harz deutlich: Die Harz.Coop eG i.G. Die Motivation beschreiben die Gründer auf ihrer Website mit einer Notwendigkeit veränderten Wirtschaftens, daß das vorherrschende System in eine ökologische Sackgasse geführt hat. Gerade die Harzregion hat unter der Globalisierung, dem hohen Wettbewerbsdruck und der Konzentration auf große Unternehmen gelitten. Viele Kommunen und Unterzentren verloren ihre Bedeutung, regionale landwirtschaftliche und handwerkliche Betriebe gaben auf. Selbst der Tourismus konnte in vielen Orten nicht mehr mithalten. Die Folge sind Abwanderung und Überalterung.

Die neue Genossenschaft will das ändern und jungen Familien und anderen Zuzugswilligen mit einer Konzeption des Lebens und Arbeitens an einem Ort eine Perspektive geben. Genossenschaftliche Betriebe sollen eine faire Unternehmenskultur mit Partizipation, Kooperation statt Konkurrenz, voller Transparenz und fairem Konsum bieten. Ein weitere Standortvorteil ist die Nähe zur Natur. Hier ist das genossenschaftliche Engagement für den Schutz und die Erhaltung natürlicher Lebensräume gefragt.

Der Schwerpunkt der Harz.Coop e.G.i.Gr. liegt zunächst auf der Regionalentwicklung. Es geht um die Entwicklung der Kommunen und eine auf die Bevölkerung der Harzregionen zugeschnittenen Schaffung bedarfsgerechter Wohn- und Arbeitsstätten. Hierzu arbeitet man generationsübergreifend mit kleinen und mittelständischen Betrieben und anderen regionalen Dienstleitern zusammen und bemüht sich, die Bürger in den Prozess mit einzubeziehen. Hierzu zählen die lokalen Volks- und Raiffeisenbanken, aber auch die Waldgenossenschaften. Zudem widmet man sich dem Erhalt von Wohnraum und historischer Bausubstanz und möchte Menschen mit geringeren finanziellen Mitteln den Erwerb und die Gestaltung eigenen Wohnraums über deren Einlagen ermöglichen. Die ersten Immobilien wurden bereits erworben. Es ist auch geplant, das vor dem endgültigen Zerfall stehende historische St. Georgs-Hospital in Harzerode zu erwerben. Für die dringend notwendige Sanierung kann gleichzeitig das lokale Handwerk mit eingebunden werden. 

Zu den weiteren Plänen gehören neue Arbeitsstätten in Gartenbau und Landwirtschaft mit Betrieben der Solidarischen Landwirtschaft und weiterverarbeitendem Gewerbe, wie z.B. Küchen mit Kantinen und einem Lieferservice. Auch Betreuungs-, Beschäftigungs- und Mitgestaltungsangebote für die Bevölkerung sind geplant. In diesem Zusammenhang wir auch über eine Grundversorgung mit Lebensmitteln nachgedacht, wobei vor allem regionale Produkte aus nachhaltiger Produktion im Vordergrund stehen. Der Tourismus soll durch Kooperationen der Kommunen wiederbelebt werden, indem Wanderwege und Radwege, neue Konzepte des Nahverkehrs, naturnahe Übernachtungen  und benutzerfreundlichem digitale Wegweiser zu den gastronomischen Betrieben und zu den Übernachtungsmöglichkeiten angeboten werden. Auch Nachhaltigkeitsprojekte, Energieversorgung, ökologische Verkehrsplanung sind Themen, mit denen die Harz.Coop e.G.i.Gr. neben den bereits existierenden neuen Lebens- und Arbeitskonzepten und Nachhaltigkeitskonzepten die Region stärken will. Abgerundet wird das genossenschaftliche Wirken durch die wissenschaftliche Begleitung und Beobachtung des Projektes, was kontinuierliche Kommunikation, einen Erwartungsabgleich und regelmäßiges Feedback durch die Umwelt- und Nachhaltigkeitsforschung beinhaltet. Das Konzept der Harz.Coop soll auch auf andere, strukturschwache Regionen übertragen werden

igenos e.V., die Vertretung der Genossenschaftsmitglieder, kann diesem Projekt nur die Daumen drücken. Wer in den letzten Jahren einmal durch ehemals strukturstarke Regionen des Harzes fuhr und sich mit dem Verfall und dem Stillstand konfrontiert sah, kann dieser wunderschönen Region nur neue Impulse wünschen. Zu den Mitinitiatoren der Genossenschaft zählt ein Gründungsmitglieder der GRÜNEN. Er war gleichzeitig ein umtriebiger Genossenschaftsbanker, der sich mit Businessplänen und Initiativen auskennt. Einem Erfolg des Projektes sollte also nichts entgegen stehen.
Die Arbeitsgruppe der CoopGo Genossenschaften im DEGP freut sich über ein neues Mitglied und über neue Impulse.

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1 Kommentar. Hinterlasse eine Antwort

  • Richard Schmid
    24. Juni 2021 15:42

    Danke für das prompte “Verarbeiten” unseres Gesprächs. So geht gesehen werden und gegenseitige Hilfe …
    Davon gerne mehr …

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