Bürgergenossenschaften und kommunale Daseinsvorsorge

2020 ist ein Jahr gesellschaftlicher Erkenntnisprozesse und tiefer Einschnitte in  wirtschaftliche Freiheiten und die Politik der Schwarzen Null. Finanziell gesehen, waren Rentner, Pensionäre und die Bezieher von Sozialleistungen auf der sicheren Seite und mussten keine Einschnitte verkraften. Das kann sich in den nächsten Jahren angesichts steigender Staatsverschuldung ändern. Daraus ergibt sich die Frage, wie die Kommunen in Zukunft ihren Pflichten der Daseinsvorsorge in einer alternden und komplexer werdenden Gesellschaft gerecht werden können. Ob diese Daseinsvorsorge mit neuen, „hybriden“ Genossenschaften geleistet werden könnte war ein Thema des Forschungsprojektes www.koda-eg.de und das kurz gefasste Ergebnis dieses Erkenntnisprozesses lautet: Ja.

Die Genossenschaft ist im eigentlichen Sinne eine hybride Organisation, die ein Gleichgewicht von ökonomischen und moralischen Parametern in einer Wirtschaftsorganisation herstellen und dauerhaft gewährleisten will. Viele Genossenschaften und einige ihrer Verbände sind allerdings in die Jahre gekommen und vor lauter Bürokratie ist vielerorts das Einhalten moralischer Ideen gänzlich ins Hintertreffen geraten. Zwar wird die wirtschaftliche Förderung der Mitglieder betont, doch  hat sich der Förderungsgedanke so viele Facetten, dass er rein wirtschaftlich weder der Wirklichkeit entspricht, noch den Wünschen zukünftiger Mitglieder gerecht wird.  Zwar bemüht man sich um digitale Agenden und spricht von einer Übertragung des genossenschaftlichen Gedankens in die Gegenwart, aber so recht mag dies an vielen Orten nicht gelingen. Dies liegt vor allem daran dass viele Genossenschaften in den vergangenen Jahren kaum Arbeit an ihrer kulturelle Basis, der Aktualität ihrer Geschäftsabläufe oder der Erarbeitung tragfähiger Visionen geleistet haben. Viele Bürgergenossenschaften und Energiegenossenschaften sind reine Verwaltungsstrukturen geworden. 

Dabei gäbe es gute Bedingungen für Veränderungen. Es war noch nie so viel privates Sparvermögen in diesem Land vorhanden wie aktuell – ca. 6 Billionen Euro der Bürger sind derzeit an den Finanzmärkten angelegt. Gleichzeitig ist der Bedarf nach Zusammenhalt und Zusammenarbeit in einer alternden und anspruchsvoller werdenden Gesellschaft, die zudem in der Coronazeit die Bedeutung von Lebensqualität wiederentdeckt hat, gestiegen. Altersgerechter Wohnraum, regionale Energie, lokale Lebensmittel, menschenwürdige Pflege und nachhaltige Mobilität sind Chancen für neue, multifunktionale Genossenschaften.  Deutschland könnte eine Vorreiterrolle in der Entwicklung neuer Versorgungsgenossenschaften spielen und im Nebeneffekt neue Berufe schaffen, welche im Zug der Digitalisierung soziale Härten auffangen können. 

Ein Weg, der dem vertraut ist, der sich mit volks- und betriebswirtschaftlichen Grundlagen beschäftigt: Der schnellste Weg für Wohlstand in den mittleren und unteren Einkommensklassen ist lokale Wertschöpfung, denn diese Gelder zirkulieren schnell und unbürokratisch im Gegensatz zu globalen Finanzströmen. Ein Model, das auch für andere Länder von Interesse sein könnten.

Ein Thema sind  derzeit die Energiegenossenschaften und Bürgergenossenschaften, in denen sich Bürger engagieren, denen ihr lokalen Versorger wichtig ist. Sie wünschen sich Wege, um diese unterstützen und erhalten zu können. Mit einem genauen Zielverständnis aller Akteure vor Ort ist das möglich: Welche Zielzustände in den regionalen Gemeinschaften sollen angestrebt werden und mit welchen Mitteln lassen sich diese darstellen und herstellen. Schaffen regionale und lokale Genossenschaften für sich die kulturelle und strukturelle Basis und öffnen sich sie für neue Management- und Kommunikationskonzepte, wäre das die Möglichkeit, neue Handlungsfelder und neue Einkommensfelder zu erschließen. Und nicht zuletzt hätten sie die Chance, neue engagierte Mitglieder anzuziehen.  

igenos e.V. Die Interessenvertretung der Genossenschaftsmitglieder hat ein Konzept entwickelt Bankgenossenschaften in Bürgergenossenschaften umzuwandeln. Durch eine Änderung des Geschäftszwecks der Genossenschaft und einen Verkauf des Bankgeschäfts können die Mitglieder drohenden Fusionen selbst verhindern. Weitere Infos zum Thema wurden in den GenoNachrichten ausführlich behandelt.

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