Genossenschaften in Europa, einheitliche Rahmenbedingungen werden vermisst.

In Europa ist vieles geregelt, wenn nicht sogar überreguliert. Eine einheitliche europäische Gesetzgebung zur Gestaltung einer Genossenschaft / Kooperative wird jedoch vermisst. Genossenschaften in Europa arbeiten unter unterschiedlichen politischen Rahmenbedingungen. Genossenschaften in Europa haben unterschiedliche Strukturen und eine unterschiedliche gesellschaftliche Akzeptanz. Darum ist eine europäischer Ländervergleich nur schwer möglich.

Haben Kooperativen Tradition? Sind Genossenschaften politisch gewollt oder werden diese stiefmütterlich behandelt? Wird die Gründung von Genossenschaften gefördert oder durch Bürokratie verhindert? Je nach den politischen Rahmenbedingungen ist die Marktbedeutung der Kooperative sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Kooperativen sind Gemeinschaftsunternehmen und Mitglieder zentriert. Dienstleister-, Einkaufs-, und Vermarktung-Genossenschaften können z.B. als kleine lokale Kartelle bessere Konditionen für ihre Mitglieder erreichen. Genossenschaften sind Wettbewerber am Arbeitsmarkt, denn Mitarbeiterbeteiligung und gute Arbeitsbedingungen erhöhen die Produktivität und verbessern nachweislich die Lebensqualität.

Viele positive Beispiele finden wir in Italien und Spanien. Deutschland und Österreich befinden sich, auch historisch bedingt, im genossenschaftlichen Abseits. Hier hat der Genossenschaftsgedanke zwarTradition, wird aber nicht verstanden und nicht gelebt. Kooperation will gelernt sein und ist auch eine Mentalitätsfrage. Auch hier ist nun ein Umdenken angesagt und zwar schnell, denn in der neuen digitalen Arbeitswelt hat das “Führerprinzip” und der stumpfe Gehorsam ausgedient. Der Kooperationsgedanke ist weltweit auf dem Vormarsch und begünstigt so die neue Kooperationsgesellschaft. Denn nur gemeinsam können wir globale Problemstellungen, wie die sich anbahnende Klimaveränderung und die UN Nachhaltigkeitsziele schultern.  

Die CoopGo Initiative Genossenschaftswelt  befasste sich bereits im August 2017 erstmals mit der Geno-Ratio. Die Kennziffer Geno-Ratio ermittelt die Anzahl der Genossenschaften pro 100.000 Einwohner und ermöglicht so  einen  direkten Ländervergleich. 

Überträgt man so die Geno-Ratio ausgewählter Nachbarländer auf Deutschland, kommen wir zu folgenden Ergebnis. Im Vergleich Deutschland mit Italien müssten es in Deutschland 53.750 Genossenschaften geben, im Vergleich zu Spanien wären es 35.700, im Vergleich zu Frankreich 27.950, im Vergleich zu Schweden 48.850 und Finnland sogar 76.400 

Die Relation zum Nachbarland  Schweiz ist besonders drastisch. Setzen wir die Schweizer Geno-Ratio in Deutschland an, dann würden wir mehr als  95.000 Genossenschaften vorweisen. Gerade den Schweizer Eidgenossen wird sicherlich niemand sozialistische Experimente vorwerfen wollen. Was machen wir in Deutschland falsch, warum haben wir solch eine tiefsitzende Angst vor dem Gemeinschaftseigentum und der genossenschaftlich organisierten Kooperation? Welche Rolle spielen die genossenschaftlichen Verbände?

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